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Der jüdische Student · 1911-03-01 · Heft 12 (März 1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
7 (1910-1911)
Issue
Heft 12 (März 1911)
Date
1911-03-01
Page
[Seite] (sequence 40)
Language
German
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348 Der jüdische Student. gesäten Vereine, zu denen in letzter Zeit noch eine große Anzahl „jüdischer Jugendvereine" gekommen sind, die allerdings noch keine straff disziplinierte Organisation haben, aber hoffentlich bald haben werden und bekommen müssen, wenn sie etwas erreichen wollen, — ich sage: All diese Vereine vollbringen heute in unserem Vaterlande ein größeres Kulturwerk unter uns als irgend eine andere Organisation, als Loge, Literaturverein, Zentralverein zusammen. Ein größeres Kulturwerk, als der Herr Vater und die Frau Mutter ahnen, die immer meinen, daß für ihren Sohn, ihren Stolz, der Studentenverein der erste Schritt zum Verbummeln ist. Denn diese Vereine begnügen sich nicht, ihren Mitgliedern die Kenntnis des Judentums zu übermitteln, begnügen sich nicht, Diskussionsklubs für künftige Anwälte zu sein, begnügen sich nicht, Fabriken für geistreiche Biermimiken, bunte Ballarrangements und glänzende Wichsparaden zu bedeuten, sondern sie wollen etwas schaffen, was mehr ist, was nach wenig aussieht und alles ist: Den Mann! Seit mehr als zehn Jahren stehe ich nun mitten in der jüdischen Studentenbewegung und habe sie kommen sehen, all die Stolze der Familie, all die Juwelen der Provinz, die gestern noch an Vaters Tische das große Wort führten und von Mamachen bewundert wurden, und nun plötzlich am ersten Tage, wo sie im Verein ihre neue Weisheit auskramen wollten, hören mußten : Du hast den Mund zu halten, wenn Erfahrenere sprechen, Fux! Und habe ihre Empörung erlebt, wie sie zuerst von der Knebelung ihrer Individualität zu schreien begannen, wie sie sich auf die Freiheit der Persönlichkeit beriefen und erst allmählich einsehen lernten, daß man einer Idee nur dienen kann, indem man sich ihr unterwirft, daß man zum Herrschen nur kommen kann durch Selbstbeherrschung, daß nur Respekt Respekt erzeugt, daß den Mann nicht der Mund macht, auch nicht der Geist, auch nicht die Moral, sondern die Zucht. Wenn diese Erkenntnisse allgemein würden, und wenn künftig so unsere Kinder, unsere Jünglinge so erzogen würden, dann würden wir Juden Männer bekommen und mit den Männern Macht. Heute? Wie sieht's denn heute bei uns aus? Alles zerrissen und zerfahren. In allen Fragen so viel Schulchan-aruchs als Köpfe. Jeder ist seine eigene Partei. Jeder ist sich selbst

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