Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 12 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 347 Fuß des Karrieremachers. Wer aber will, daß sein Sohn es nicht bloß weit bringen, sondern nebenbei auch ein Mensch, ein ganzer Mann werden soll, der überall, auch in der Oesellschaft und; in der Politik seinen Platz ausfüllt, und nur einen solchen kann man einen Mann nennen, der muß ihm mehr geben als Liebe und Wohlwollen, mehr als Nachsicht und Zärtlichkeit: Zucht! Zucht dem Kinde im Hause, Zucht dem Jüngling, der ins Leben tritt. Zucht dem Kinde im Hause! Ein Vater muß seinem Kinde Autoritäten geben, muß ihm Grenzen und Hemmnisse setzen, muß es lehren, sich unterzuordnen, seine Empfindungen zu beherrschen, seinen Willen zu zähmen. Die für unsere jüdischen Kinder wichtigste Stunde in der Schule ist die Turnstunde. Dort etwas zu leisten, muß eine der ersten Forderungen jüdischer Eltern an ihre Kinder sein. Dort lernt das Kind, seinen Körper in der Gewalt zu haben, lernt die Oekonomie des Leibes. Wer sich aber auf die Oekonomie des Leibes versteht, der wird sich auch bald auf die Oekonomie der Seele verstehen. Die Disziplin des Turnsaals ist eine gute Vorschule für die Disziplin in der Gesellschaft. Wenn ich einen Sohn habe, der im Turnen Vorzügliches leistet, will ich ihm gern gestatten, einmal sitzen zu bleiben. Zucht aber auch dem Jünglinge noch, der ins Leben tritt, dem jungen Kaufmann, dem Studenten! Den sollen seine Eltern in die für ihn bestimmten Vereine schicken. Vor allem wieder in diejenigen Vereine, in denen es eine Disziplin gibt; in die Vereine mit straffer Organisation, die man füglich als Erziehungsvereine bezeichnen kann. Das sind die Turn- und Studentenvereine vor allen Dingen. Was nützen uns die literarischen Kränzchen und dramatischen Klubs, in denen es so wunderbar „zwanglos" zugeht, und deren ständiges Charakteristikum es ist, daß sie eingehen, wenn keine Damen aufgenommen werden. Der junge Mann soll lernen, mit Kraft und Anstand ein Joch zu tragen, einem Zwange sich zu unterwerfen, der alle beherrscht. Da aber ein solcher Zwang ntir dann segensreich wirken kann, wenn eine Idee hinter ihm steht, und da es ja die Autorität des Judentums ist, die wir ersehnen und erarbeiten wollen, so kommen für unsere jungen Leute nur die jüdischen Turn- und Studentenvereine in Betracht. Diese leider noch viel zu dünn