Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 12 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. am Ende sogar Liebe zwischen Juden existieren, Respekt niemals. Der Jude kennt keine Autorität in der Judenheit, und sobald sich eine Autorität geltend macht, sträubt er sich und verteidigt sich mit falschen demokratischen Begriffen. Ist es nicht interessant, daß wir Juden, das konservativste Volk, gleichzeitig das demokratischste sind? Wie läßt es sich verstehen, daß wir, die Anhänger der fortschrittlichen und demokratischen Parteien, unser Judentum selbst nach den Prinzipien des „Jichus", der Plutokratie regieren? Daß in unseren Gemeindevorständen und -repräsentanzen nicht immer diejenigen sitzen, die die besten Juden sind und das größte Interesse haben, sondern nur zu oft die, welche den besten Titel und den Größten Geldbeutel haben? Wie lassen sich solche Tatsachen o anders erklären, als daß wir Juden nur der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, demokratisch sind? Hätten wir alle Rechte im Staate, wir wären konservativ bis zur Intoleranz. Wir sind demokratisch, weil wir die Wildlinge der Gesellschaft sind. Unsere, die jüdische Gesellschaft, unsere, die jüdische Organisation, ist und kann uns kein Zuchtmeister sein. So bleibt uns nur ein Zuchtmeister übrig: Die Familie. III. Da ergibt sich denn von selbst die Frage: Was leistet heute die jüdische Familie in der Erziehung des Juden zur Selbstzucht? — Und nur eine Antwort: Nichts.. Wer möchte die Bedeutung der Familie in unserem Volke leugnen? In einer Zeit, da eine Welt von Feinden uns zu verschlingen drohte, war sie der Anker, der unser Schifflein hielt. Sie ist heute kein Anker mehr. Wohl können wir uns noch heute der Zartheit der Familienbande rühmen, aber unser erzener Fels ist sie nicht mehr. Auch bei uns kann das Lied von den Vätern und Söhnen gesungen werden. Aber nicht das ist es, worauf es hier ankommt. Sondern das Schicksalsschwere liegt darin, daß das, was früher die Vorzüge der jüdischen Familie waren, heute Nachteile geworden sind. Unsere Familie bedeutet ein Stück Mittelalter hineingeflickt in den Teppich der modernen Zeit. Damals ging und mußte alle Erziehung nach innen gehen, das jüdische Kind wurde für die Familie und in die Familie hinein erzogen. Eine