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Der jüdische Student · 1911-03-01 · Heft 12 (März 1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
7 (1910-1911)
Issue
Heft 12 (März 1911)
Date
1911-03-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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Der jüdische Student. 337 denke an den Kampf um die Gleichberechtigung, an dem wir alle in gleicher Weise teilnehmen. Sein Ziel ist eine Selbstverständlichkeit, wir wollen, was jeder Bürger eines Kulturstaates in der Wiege mitgeboren bekommt, auch für uns in Anspruch nehmen, und doch kann ein unbefangener Beobachter meinen, es gäbe für die deutschen Juden gar kein höheres Ziel, als diese Selbstverständlichkeit für sich und ihre Kinder zu erringen. Für die meisten ist die Oleichberechtigung so durchaus das letzte Ideal, das sie für das Judentum erträumen, daß man sich angstvoll fragen muß, was bliebe diesen Menschen noch zu wünschen übrig, wenn ein glückliches Ereignis ihnen plötzlich die Verwirklichung dieses Ideals brächte. Wer für die Gleichberechtigung kämpft, ist schon darum ein guter Jude, und man ist damit so zufrieden, daß der ein Nörgler gescholten wird, der angstvoll fragt: wird es denn überhaupt noch ein Judentum geben, für das es sich verlohnt, diesen Kampf zu führen? Und dieses „träge Sichbescheiden" ergreift mehr und mehr die Jugend. Jüdische Studentenverbindungen wollen ihre Mitglieder zu Stolz und Selbstbewußtsein erziehen, und ein großer Erfolg dünkt es sie, wenn der junge Student mit Emphase sagt, ich schäme mich meines Judentums nicht, nein, ich bin stolz darauf, Jude zu sein, und trete mit der Waffe in der Hand jedem entgegen, der es wagt, mein Judentum anzugreifen. Heute, wo die Erhaltung unseres Volkes bedroht ist, wo jüdisches Wesen sich so verdünnt und verflüchtigt hat, daß sogar den Besten oftmals nichts anderes übrig geblieben ist, als stolz auf etwas zu sein, was man nicht mehr lieben kann, weil man es nicht kennt, in dieser Zeit, die über die ganze Zukunft unseres Volkes entscheidet, haben die kleinen Erfolge der großen Masse der deutschen Juden eine langersehnte Befriedigung gebracht Das Schicksal des deutschen Judentums liegt ja in guten Händen, den Wortschatz der jung-jüdischen Bewegung hat man sich zur Not angeeignet; natürlich ist jeder gegen Assimilation, gegen Taufe und Mischehe, — aber damit ist es auch genug. ' Die Alten können sich gewiß damit zufrieden geben; aber die junge Generation, die unsere Hoffnung ist, für diese fürchten wir. Wir fürchten, weil wir die kleinen Siege sehen, weil diese kleinen Siege so gefährlich sind.

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