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Der jüdische Student · 1911-01-27 · Heft 10 (27.1.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
7 (1910-1911)
Issue
Heft 10 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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2'62 Der jüdische Siudent. eine chronische Ideenflucht Wir erkannten als das Stigma der jüdischen Politik - dasjenige, was wir an einem neu-; ' rasthenischen Redner manchmal beobachten, der keinen Satz zu Ende sprechen kann. In der Tat, so war es und so ist es. Die heutige jüdische Politik, auch die beste, gesinnungs- . tüchtigste jüdische Politik, spricht ihre Sätze nicht zu Ende. Es ist die Politik der aufgelösten Konstruktion, des fehlenden Prädikats:. Das Prädikat aber ist das Tätigkeitswort, im Prädikat liegt die ganze Energie, die zusammenhaltende Kraft eines Satzes. Ohne das. Prädikat gleicht der geistreichste Satz einer verschütteten Bs.omimhüchs, einehl verlorenen Genie. Das Prädikat fehlt in unserer Politik, meine Verehrföhy oder, um es nun endlich kurz - und knapp herauszusagen, es fehlt: der Mann. Das ist die Erkenntnis der zweiten Generation im V.J.St. gewesen, und das ist die. Erkenntnis, die mich veranlasst, dieser Generation den Namen der zweiten Gründer zu geben. Die Folgen dieser Erkenntnis und der Tatsache, dass sie eben zum grossen Teile bittere Selbsterkenntnis war, wurden unermessliche. Wir verbanden diese Erkenntnis nämlich mit der anderen, bereits genannten, dass wir im Kampfe um . die Wiedererweckung des jüdischen Selbstbewusstseins Minorität geblieben waren. Und so begannen wir, die Politik der Minorität zutreiben, und begannen damit, uns zum ersten; Male selber zu fühlen. Denn wir sahen, dass wir inmitten eines Chaos individualistischer, zerfahrener und auch persönlicher Politik die Träger . einer neuen, unsäglich einfachen Politik waren, dass in uns das jüdische Ideal endlich eine reale Kraft geworden war. Unser Ziel war uns gegeben: Wir hatten nicht nur Juden, sondern wir. hatten auch und hatten künftighin vor allen Dingen Männer zu schaffen. Wir hatten,, wie gesagt, die Politik der Minorität zu treiben, und die Politik der Minorität konnte nur sein: die Konzentration. Wir hatten .unsere korpo-; . rativen Kräfte - zusammenzureissen, und damit die selbstverständliche Pflicht, jeden einzelnen, unter uns zu der schweren Kunst zu erziehen, seine eigenen Kräfte zusammenzureissen, .das heisst zur Oekonomie seiner Gaben und zur Oekonomie seines Willens. ' ' - . ■■ ., '

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