Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 2-3 (21.6.1910)
- Date
- 1910-06-21
- Page
- [Seite] (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Der jüdische Student. sitzt, während wir uns (zu 20 Mann!) mit 1 Vierer und 1 Doppelzweier begnügen müssen. Nun herrscht zwar zwischen unseren beiden Ruderabteilungen ein gutes Einvernehmen, und wenn es uns an Platz fehlt, benutzen wir auch die Boote des <J. J. B., aber es ist doch ein deprimierendes Gei'ühl, dass wir in Ermangelung genügender pekuniärer Unterstützung von Seiten des Kartells auf ein derartiges Entgegenkommen angewiesen sind, und es ist der sehnlichste Wunsch der R. A., inbezug auf Bootsmaterial selbständiger zu werden, ein Wunsch, der vor allem aus Gründen korporativer Natur erklärlich und unterstützungswert ist. Einen Vorwurf, den man der R. A. zu machen pflegt, möchte ich andieser Stelle zurückweisen, nämlich den, dass sie uns zuviel Zeit fortnehme, die besser anderweitig in jüdischem Sinae ausgenützt werden könne. Einerseits ist doch 1 ganzer Tag (Sonntag) und 1 offizieller Abend in der Woche wirklich nicht zuviel Zeit, andererseits leidet die sonstige jüdische Betätigung ^der Ruderer in keiner Weise darunter. Das geht daraus hervor, dass fast nie der offizielle Ruderabend mit einer offiziellen Vereinsveranstaltung kollidiert und dass die überwlegende Mehrzahl der Berliner Chargierten, die doch sonst genug zu Um haben, fn der R. A. aktiv sinc^. Wenn es aber bei uns auch ke'ne Fuxenstunden und Tendenzdebatten gibt — dafür sind doch die K. V. K. V. da —, so ist doch die positive . Arbeit, welche wir für das Judentum tun, nicht gering einzuschätzen. Denn gerade uns Ruderern wird durch das stete Fahren unterjüdischer Flagge das jüdische Selbstbewusstsein zu einer' solchen Selbstverständlichkeit, wie sie bei den anderen oft erst durch semesterlange Arbeit anerzogen werden muss. Auch fehlt es im Ruderbetrieb nicht an Kämpfen gegen den Antisemitismus, über deren einen an anderer Stelle noch berichtet werden wird. In jüdischen Kreisen erfreut sich die R. A. einer wachsenden Beliebtheit, die letzthin besonders bei 2 Gelegenheiten zutage trat, bei denen wir uns mit unseren Booten offiziell beteiligten, nämlich dem Ausflug des J. J. B. nach Nedlitz und dem von unserer Confuxia veranstalteten Dampferausflug nach Hirschgarten. Leider — und damit möchte ich zum Schlüsse kommen — steht die finanzielle Unterstützung, die man uns zuteil werden iässt, in gar keinem Verhältnis zu diesen Erfolgen. Wir wollen an dieser Stelle nicht betteln — wenn der B. J. C. versagt, wird die R. A. mit ihrer schon oft betätigten Opferfreütligkeit allein die Gelder aufbringen müssen, die sie braucht. Aber es ist doch geradezu unsere Pflicht, darauf hinzuweisen, welche grossen Bedürfnisse wir haben. Ich sprach schon von den traurigen Verhältnissen, die uns zwingen, mit dem J. J. B. zusammen in einem kleinen Schuppen zu hausen, ferner davon, dass wir nur 2 Boote mit insgesamt 8 Plätzen. für 20 Mitglieder haben! Dazu