Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 1 (27.4.1910)
- Date
- 1910-04-27
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. der letzten Versammlung "ein neues Komitee, das die Aufgaben des alten voll und ganz übernommen und eine rege Tätigkeit besonders bei Beginn des nächsten Semesters zu entfalten versprochen hat. Die Herren leben nun schon ganz in unserem Sinne und in unsern Ideen." Es ist daher mit Bestimmtheit zu erwarten, dass der V. I. St.er Geist die Versammlungen auch weiter beherrschen wird. _ Das Komitee besteht aus den Herren Dr, Weigert (Leipzig), cand. med. Kapauner (Leipzig) und stud iur Minden (Hamburg). Das Komitee hofft, dass es vom Präsidium des B. J. C. auch weiter Unterstützung erhalten wird, hofft schliesslich, dass wieder ein. V. I. St.er, möglichst eine Erstchargiertennatur, hinkommt, um die Leitung des Komitees und der Versammlungen der sog. „reichsdeutschen* jüdischen Stüde ntens'chat t" zu übernehmen. Für diesen V. I. St.er eröffnen sich noch zwei weitere Aufgaben, die eine, den jüdisch literarischen Verein," der seit diesem Winter-mit viel Erfolg besteht, und die zweite, den in Gründung begriffenen Jugendverein in unserem Sinne zu beeinflussen, —. was bei der Ignoranz der Leipziger Juden nicht schwer sein dürfte. Was den Jugendverein betrifft, so scheint es mir gut, ihn,"wenn es noch gehen sollte; zu unterbinden; weil nicht die genügenden Kräfte zur Judaisierung dieses Vereines vorhanden sein dürften. Der „jüdisch - literarische Verein" dagegen hat ca 40 Mitglieder, hat alle acht Tage eine Vereinssitzung, in der meist Uebersctzungen aus dem Jargon vorgelesen, und besprechen werden. Einmal fand ein Novelleneinmal ein Heine - und einmal ein Perezabend statt. Der nächste Abend wird ein Schalem Aschabend sein. Sonst hatten wir immer bunte Abende mit zwei Teilen, einem jüdischen, ernsten, (eventl. mit Diskussion) und einem (jüdischen oder unjüdischenlheitern Teil-. Beim letzten Unterhaltungsabende, zu dem Gäste geladen waren, waren ca 120 Personen anwesend. Eine enorme, ja sonderbare Tatsache für Leipzig: Man bedenke ein Verein, der sich jüdisch nennt! — Die Ortsgruppe hat zwei "Vorträge abgehalten im Laufe des ganzen Winters. Infolge mangelhafter Vorbereitung natürlich ohne Erfolg. Dann fand ein grosser Eroberungsvortrag von James Simon für den Hilfsverein der deutschen Juden, eine Ortsgruppengründung der Liberalen durch einen Vortrag des Justizrat Blau (nicht ein ein-. ziger\Mensch war da. der dem wirklich guten Publikum in der Diskussion den Standpunkt klarmachte oder, auch nur den Herrn Geiger mit. Namen nannte ). schliesslich ein Vortrag des höchstgefährlichassimvlantischen Rabbiners Dr. Porge< (Alliance) im Hilfsverein israelitischer Gewerbetreibender. (In diesem Verein wie auch in der sog.Toynbeehalleküninc man jüdische Vorträge halten lassen; wenn man die nötigen Mer^hen dazu hätte.) Es gibt nur noch weniges was man sonst noch vun jüdischen Leben, das im Winter - Semester m Leipzig gm pulsierte (abgesehen vom sog. Gottesdienst an Sonn- und Kier.ngcn) im I. St. erzählen könnte. Das schenke ich mir.