Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 1 (27.4.1910)
- Date
- 1910-04-27
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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14 14 Tage vor dem K. T. Reginn zu. Eine Diskussion darüber zwischen den verschiedenen Restandteilen des R. J. C. die bei der Wichtigkeit der Frage unumgänglich nutwendig gewesen wäre, war dadurch unmöglich gemacht. Die Wahl der K. T.-Delegierten war längst vorgenommen, die Vereine daher ausser Stande, solche Leute zu wählen, deren Anschauung übereinstimmte oder wenigstens nicht strikte entgegengesetzt war der Majorität ihrer Mitglieder, Denn wenn wir auch keine imperativen Mandate haben, so ist es doeh selbstverständlich, dass der offizielle Vertreter des Vereins auf dem K. T. in einer Grundfrage mit ihm übereinstimmen muss. Dies waren die formalen Gründe, auf welche wir unsern Protest und den Antrag auf Einberufung eines a. o. K- T. stützten. Die sachlichen Gründe sind folgende: für einen-unbefangenen. Beurteile/ können oieWorte der angenommenen Resolution:,, Es soll bei Burschung und A. H.ienmg entscheidendes Gewicht gelegt werden auf die zionistische Entwicklung der Bbr." nur den klaren Sinn haben: Ein V. J St.er, der nicht Zionist geworden ist, darf nicht geburscht oder A. H.iert werden. Wir sind also nicht so ehrlich, uns offen als einen zionistischen Verein zu erklären, aber wir nehmen uns die Freiheit. Nichizionisten, die in Unkenntnis der Tatsachen bei uns eingetreten sind und nicht im Eiltempo d. h. nach spätestens zwei Semestern sich zum Zionismus bekehrt haben, einfach hinaus zu werfen., Das eine kann danach aber wohl von Niemandem geleugnet werden, dass der B. J. C. mit. der Annahme dieser Resolution sich für „zionistisch" erklärt hat. Und wenn man nun nach den Gründen fragt für diese plötzliche unvorbereitete Stellungsänderung, so hört man: wir haben nur eine längst feststehende Tatsache bestätigt, denn mindestens 90 rr aller V. I. St.er sind Zionisten. Also eine Tendenz, die es .ermöglichte, dass bis auf eine verschwindend kleine Zahl alle Mitglieder des Bundes zur letzten Konsequenz, dem Zionismus, gelangten — wenn auch manche und vielleicht die wertvollsten, erst nach längerer Zeit, selbst noch als A. H. — wird geopfert zu Gunsten einer andern, die mit einem Male die Wirksamkeit bedeutend einschränken würde und den ganzen Zweck des B. J. C, 1 a n g s a m auf dem Wege der Evolution aus indifferenten Juden Zionisten zu machen, in Frage stellt. Die Folgerungen, die wir im Vorstehenden gezogen haben und auf welche hin wir einst unsern Protest erheben hatten, gründeten sich auf die Annahme, dass die angenommene Resolution eine klare Tendenzinterpretation resp. - Aenderung und keine Phrase, dass das Wort >entschei lendc wörtlich aufgefasst werden sollte. Auch ist uns wohl bekannt - - schriftlich und mündlich ist es uns bestätigt, — dass wenigstens h ■ einem Teil der K. T. Teilnehmer diese Auffassung nicht bestärken hat. Wird aber dadurch die Sachlage gebessert? Keinesw egs, denn es steht ja im Belieben eines jeden Vereins, welcher Auffassung er sich anschliessen w ill, ob er sich also für zionistisch erklär; oder ber die Resolution zur Tagesordnung übergeht, da sie ja nur unw rbindüche Phrase darstellt; ein drittes gibt es nicht.