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Der jüdische Student · 1909-12-21 · Heft 9 (21.12.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
6 (1909-1910)
Issue
Heft 9 (21.12.1909)
Date
1909-12-21
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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214- Der jüdische Student. da-s eine aktive Anteilnahme der jüdischen Frauen an der allgemeinen Frauenbewegung — das würde ein Bleiben im Verband bedeuten — von höchstem Wert und allgemeiner Bedeutung für unsere Zukimrt als Volk sein werden. (Der Begriff Frauenbewegung und Anteilnahme in innerlichem Sinne gerassti. Frl. Bender denkt hierbei ganz konkret an die Stellung der Frau in einem jüdischen Staatsleben, für die es schön jetzt die Vorbedingungen scharten heisst; ich persönlich denke daran noch nicht, wohl aber an innerlichen Einfluss und Schaffung und Stärkung der kulturellen und sittlichen Kräfte, die unsere Zukuni't überhaupt erst möglich machen. Und als eines der nützlichsten Mittel, die Juden wach und ihrer Aufgaben bewusst zu machen und, vor allem, geschickt und fähig hierzu werden zu .lassen, sehe ich die Arbeit und Teilnahme an den allgemeinen Bestrebungen der Frauenbewegung an. Es steckt sehr viel guter Wille und viel wahres jüdisches Gefühl in uns; aber die Art und Wei.se sie zu betätigen müssen wir erst lernen, und ich seile vorderhand kein anderes Mittel als Eintritt in die allgemeine Arena, wo jetzt tüchtig gearbeitet wird. Vielleicht ist es unklug, bei praktischen 'Tagesfragen, wie es unsere Stellung zum Verband ist, gleich die allerweitesten Gesichtspunkte heran zu ziehen, Frauen muss man aber immer etwas „Ideologentum* nach: dien. — N.B. Das Bleiben im Verband erschien mir aber dadurch nicht als Hindcrung-grund tur einen \o>cn Zusammenschluss der Jüdinnen zu jüdischen Interessen; ich. fände es sogar sehr schön, dass man auch ohne äusseren Zwang sich finden wurde. So hei-st denn un-er Ziel: arbeiten, um die Bedingungen für unser Bleiben zu erreichen, d. h. Annahme jenes Paragraphen. Mein PI ui wa^zim Vh-t, ein geiULin-aiu-. s Vorgehen aller Jüdinnen, die im Verband organi -iei t sind, zu veranließ . n, das ihn vor ein klares Entweder -- - Oder stellen ->k; a!< Jüdinnen aufzustehen und in einer ganz unzweideutigen Erklärung die Annahme des Paragraphen als conditio sine qua non unseres Bleibens zu bezeichnen. Fraulein Bender hält jedoch ein solches Verhalten für praktisch unausführbar, und vor allem für inopportun: der Anschein einer jüdischen Partei muss vermieden werden und könnte uns sehr schädlich sein. Gerade weil ein Austritt unsererseits nicht aufgeschlossen ist, muss so ruhig und unanfechtbar wie möglich vorgegangen werden, dacs wir gegebenenfalls gut dastehen. Ich muss diese Gründe anerkennen und sehe von einer allgemeinen Aktion ab. Was ich aber^ für unbedingt nötig halte, ist eine bewusste Vertretung der Sache von den Jüdinnen in den Vereinen selbst; dass, wenn jener Antrag zur Entscheidung steht, auf seine Bedeutung für die Situation der Jüdinnen von jüdischer Seite mit dem nötigen Nachdruck hingewiesen wird. Denn nur dann kann unser eventueller Austritt von einigem Eindruck sein und den nötigen moralischen Erfolg haben.

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