Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 9 (21.12.1909)
- Date
- 1909-12-21
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 213 N.B. Der D. A. F. leugnet seine antisemitsche Tendenz: er nehme nur deshalb keine Jüdinnen auf, weil er ssch nur aus Deutschen zusammensetze; er wäre aber gern bereit, Jüdinnen ebenso gern wie sonstige Ausländer als Gäste bei sich :ai sehen'. Von der prekären Lage der Jüdinnen: emveder eine grosse Aktion zu veranstalten, zu der wir viel zu schwach gewesen wären und zu der uns der positive Boden und \ or a-äm ein festes, ideelles Ziel gefehlt hätte — oder aber in einen unbefriedigenden und unklaren Zustand des Bleibens und sich liascheidens zu verharren — hat uns ein geschickter und tatkräftigerSrhritt der ersten Verbandsvorsitzenden, Frl. Bender, bewahrt: Sie hat, wozu ihr das abgelaufene Amtsjahr gerade noch Zeit liess, als Verbandsstatut einen Paragraphen beantragt, der alle Vereine, üe irgend welchen Rassentendenzen oder politischen und religiösen Bestrebungen huldigen, vom Verband ausschliefst. — Damit ist die Diskussion über die Frage lebendig erhalten, und ihre Erledigung auf eine ruhige und fröhliche Art ermöglicht. (Frl. Bender ist jjidin und Zionistin, was sich mir erst hinterher aus unserer Korrespondenz ergab.) Von der Annahme dieses Paragraphen machen wir nun unser Bleiben im Verband abhängig, und unsere Arbeit in dieser Sache wird sich um diesen Punkt drehen. Zunächst wäre Je: zuerst die Frage zu stellen, ob ein Verbleiben im Verband überhiaipt erstrebenswert wäre und ob wir das, was unsere jüdischen Cmimtlitonen in Bezug auf paritätische Vereine an Erfahrungen gesmmelt haben, uns nicht zu Nutzen machen sollten, und von vornherein absichtlich und bewusst d e n Weg gehen, den sie gegangen sind und den uns die Verhältnisse später doch einmal aufzwingen werden? Und weiter: Ob. ganz abgesehen von diesem Zwi-ng, der über kurz oder lang eintreten wird, nicht eine Zusammeifassung und Konzentrrenmg der Jüdinnen c strebt werden sollte aus inneren positi- - ven Gründen heraus, so dass ein Anlass zu eiier Trennung und Scheidung von den Anderen freudig begrüsst, ahsr nicht verhindert werden müsste? Ich kann so, wie sich mir unsere ganze mierliche und äussere Situation darstellt, die Frage nur mit „nein* beantworten und habe mich nach dieser Minsicht mit Frl. Bender, die als Verbandsvorsitzende einen ganz genauen Einblick in dieiache hat, in völliger Uebereinstimmung getroffen. Von einer lateiten antisemitischen Strömung kann die Rede nicht sein, und den D. A. F. als Ausdruck einer solchen Stimmung anzusehen, wiide wohl den Tat« Sachen nicht gerecht werden. Wer die Studentinnen kennt, - weiss, dass der Boden hierzu fehlt; vorderhand ganz gewiss, solange um die Stellung der Frauen auf der Universität niE'h so zu kämpfen ist. — Die notwendigen Voraussetzungen zu enem Bleiben innerhalb der allgemeinen Organisation scheinen uns also vorhanden zu sein, und es. wäre nun die letzten Endes wichtigere Frage zu entscheiden, ob im Interesse jüdischer Ziele dieses Bleiben zu erstreben sei. — Auch hierin stimmen Fräulein Benfe und ich überein,