Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 9 (21.12.1909)
- Date
- 1909-12-21
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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211 Umrissen angedeutet werden. Die Ausgestaltung des Amtes wird im wesentlichen von den organisatorischen Fälligkeiten seiner Beamten abhängen, denen sieh hier ein schwieriges, aber dankbares Arbeitsfeld bietet. Soviel über die Zwecke, die sich kurz > wirtschaftliche Selbsthilfe* betiteln lassen. Es erhebt sich nun die Grundfrage: dient das Arbeitsamt Zwecken des Tages oder der Zukunft, liegt es im Rahmen einer Entwicklungstendenz, die wir begünstigen oder nicht? Betrachten wir zunächst, ohne moralische Masssniibe anzulegen, das, was ist. Die Politik als der Schauplatz des Gruppenkampfes um alle materiellen und geistigen Güter schallt Parteien, deren Ziele im national gemischten Staat primär nationale sind, jedoch stets auf das Wirtschaftsgebiet hinüberspielen. Siehe Tschechen, Polen, Italiener, Neger etc. Infolge des sieh andauernd verstärkenden nationalen Unterschh^gefuhls zwischen Juden und Ariern kristallisieren sich die deutschen Juden nicht nur gesellschaftlich, sondern auch wirtschaftlich allmählich aus der übrigen ^olksmasse heraus. Der jüdische Kaufmann bevorzugt den jüdischem Fabrikanten, der jüdische Käufer den jüdischen Händler und der jüdische Bauherr den jüdischen Ac<juisiteur infolge der unsichtbaren und doch so wirksamen Fäden der Blutsgemeinschaft. o Wenn auch die deutsehen Juden niemals ein geschlossenes Wirtschaftssystem bilden werden — schon deshalb nicht, weil ihnen vor allen Dingen die grosse Masse der Land- und Fabrikarbeiter fehlen, -— bO werden sie doch, wenn man sich ein geschlossenes Wirtschaftssystem im Bilde eines Kreises denkt, einmal erhebliche, zusammenhängende Teile der Peripherie besetzen. Das l'ebergreifen der Juden auf Berufe, die ihnen bis vor kurzem fern lagen, wie Land- und Forstwirtschaft, begünstigt diese Entwicklung nur. Ich spreche, woldverstanden, nicht von einer beueits allgemeinen Erscheinung, sondern von einer Entwiekehing, an der wir im allgemeinen nichts andern, sondern deren Bewcgungstempo wir nur o.'m wenig beschleunigen können. Nur eine großzügige jüdische Wirtschaftspolitik kann der Stützpunkt für eine wirksame allgemein jüdische Politik sein. Eine Coneentr ierung der wirtschaftlichen Kräfte und damit eine.Stärkung des jüdischen Volkstums in Deutschland ist das Ziel dis Arbeitsamtes, wie e? nur dein Gedankenkreise des B. J. C. entspringen konnte. Dem Beispiele der Akademiker werden zweifellos die jüdischen Handlungsgehilfen und Handwerker bald folgen. Die Bewegung der wirtschaftlichen Selbsthilfe — das sehen wir bn unsern Vorbereitungen bereits — ist imstande, auch solche Kinase wieder jüdischen Fragen zuzuwenden, die für Phrasen recht wenig, für die Wirklichkeiten des Lebens aber um so mehr Verscändnis haben. Aus dem assimilatorischen Lager, wenn auch vereinzelt, kommt natürlich in bleicher Ghettofurcht die ban^e Frage: was werden unsere Feinde sagen? Wir kennen diese Unheilkünde^ ihre Orakel