Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 8 (23.11.1909)
- Date
- 1909-11-23
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537665-3537674--1349-3539446- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
153 Der jüdische Student. eine Anzahl von unseren heutigen B. V. B. V. für seine Vorschläge nicht in Betracht zu ziehen. Wie aber nun, wenn die Bezirksverbände sich zu solchen A. H. A. H.-Verbünden in der Provinz ausbilden würden? Würde da Rosenblüths Freigebigkeit — die er trotz obiger Einschränkung aufrecht erhalt — zu rechtfertigen sein? Nein, in keiner Beziehung. Diese Frage ist eine durchaus prinzipielle und als solche für Interessenten diskutierbar. Wir B. J. C.er haben uns in der letzten Zeit gewöhnt, die Corporation als etwas aufzufassen, das uns für unser ganzes Auftreten im Leben bei der Stellungnahme %zu jeder Sache eine einheitliche, doch weitgehende Grundlage geben soll: die studentische, stramme, durch keinerlei falsche Rücksichten zu •beschränkende Festigkeit. Das haben wir als unser pädagogisches Ziel kennen gelernt. Nun lernen wir als Inhalt für jene Form alle die gleichen Dinge, die uns erfüllen sollen, und doch werden sie mit jeder Generation und für jede anders: ich habe jüdische Geschichte und den Zionismus anders gesehen als Zlocisti, ein jüngerer anders als ich. Wir alle aber haben diese Dinge in einer Essenz genossen, die für jeden die konzentrierteste gewesen ist. Das hängt von jedes Charakter und seiner Zeit ab; geben wir ihm aber die Corporations-Idee als Grundlage, sn können wir sicher sein, dass dieser kenntnisreiche Mann ein rechter V. J. St.er sei. Nun bin ich weder so unerfahren noch so optimistisch, um nicht zu sehen, dass diese Grundlage mit den auf ihr gewachsenen Anschauungen im Kampf des Lebens auf Proben gestellt wird und zu langjährigen Gewissenskämpfen fuhren kann. Nun, diesen Leuten gch?rt kein Linfluss auf die Corporation, auf die Jungen, die ers.t das erwerben sollen, das jene erst befähigt, überhaupt einen Kamp:" zu fechten. Diese Alten Herren, die dem Zwiespalt in .sich gerade aus Liebe zu den Jüngeren und ihrer Zukunft Ausdruck zu geben wünschen, würden uns Schaden stiften, wie Sachkenntnis ihren Blick trübte. - - Ich besprach den Werdegang des modernen V. J. St.eis eingehender, weil ich glaube, dass im Verlauf dieser Zeit von korporativ erzogenen V. J. St.ein die Gefahr einer erfolgreichen Einmischung der A- IL A. IL sich steigern muss. Solange es A. IL A. H. gab, denen der moderne Y. J. St.er in Korporationsdingen mit einer gewissen Skepsis gegenübertreten durfte, vermochte er sich über ihre Ansichten leichter hinwegzusetzen. Das geht von dem Zeitpunkt nicht mehr an, wo jener oben skizzierte A. H. selbst der jungen Schule entstammt und in ihrem Namen Gehör verlangt. Darum war es ein selbstverständlicher — an unseren heutigen Verschrobenheiten gemessen kluger — Einfall unserer Gründer, den Altenherrenbünden als solchen, die doch am Ort bestehen und gut orientiert in Korporationsfragen sein können, keinerlei Rechte als einer Corporations-Einheit zu geben. Jeder A. LI. hat heute als Y. J. St.er das Recht, seine Ansichten und Wünsche