Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 7 (21.10.1909)
- Date
- 1909-10-21
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3537599-3537665-3537673--1339-3539435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der jüdische Student. I7ü ziemlich abwechslungsreich gestaltete Vereinspro^ramm zu bringen, eine Monotonie, die sich in ihrer Düsterheit noch mit der geradezu bewundernswert lethargischen Interesselosigkeit der Bbr. Bbr. au - allen Vorgängen im Verein paart. Kaum!> Kräfte regen sich, wo liO von noten wären; und das ist doch wohl dier Kall, wenn ein grosser Verein einen noch grosseren Umzug _ vorhat und wenn eine Keilarbeit grbssren Stils arrangiert werden s.?IL ,,An ihren Kruchten sollt ihr sie erkennen." Trotz meines sonstigere Optimismus kann ich nicht recht an eine grössere Krnte als in der früheren Zeit glauben. Oui vivra, verra! Mich solltV freuem'. ja. die Berliner Keilarbeit, unser Schmerzenskind! Stolpert man in kleinen Universitätsstädten fortwährend über einen jüdischen Studenten, so.muss man sie sich hier aus allen Kxken und Enden zusammenholen, mit schwerem Gehl die Pedelle bestechen, womöglich gar (horribile dietu'.; — es soll immerhin schon vorgekomnu-n sein ---- im Yer einsinteresse mit ihren Töchtern ein Verhältnis anknüpfen. Und so wird es bleiben, solange kein anderer Modus für «las Keilen gefunden ist, und ' der lässt sich nach meiner unmaßgeblichen Ansicht nur finden in den ----- Geselkchaftskursen a la Dr. Kirschner öder, wie man es vor Auftauchen dieses himnnclstürmcnden Projekts auch nannte; in der gesellschaftlichen: Erziehung jedes V. J. St.ers an sich selbst, in der Entwicklung zum savoir vivre. Doch genug damit! Eine näherliegende Sorge bietet gegenwärtig die Einrichtung unseres Kasinos i'sit venia verbo'i. Eiche A. fl. A. H.i Kinc Gewissensfrage: Wie ist es möglich, dass in unserem neuen I Piuse eine Burschenschaft, die-gewiss kein*- grössere Aktivitas und Alt-I Jerrenschaft hat als wir, eke ganze Etage mit 2 Balkons, eine andere 4- Kenster nach vorn hat, während wir 3 Vereine in einem Loch mit einem Zimmer nach vorne hausen und uns um jedes zu kauk-nde Pierglas die Sohlen krumm laufen müssen nach dem erforderlichen Bargeld? Wo bleibt unser Traum von dem eichen geschnitzten Kneipzimmer mit den hohen Sesseln, wie es des grössten B. J. C.-Vereins -würdig wäre' Diese Krage näher zu erwägen, wäre wohl des Sch weisses d-sr Edlen wert. Immerhin ist von all den Hoffnungen, die wir in -umsere neue Kneipe setzten, eine teilweise erfüllt: die Unabhängigkeit vom Wirt. Aber sie haben wir mit einem stillschweigenden Obligo der Brauerei gegenüber eingetauscht, der wir die gelieferten Tische, Stühle und den teuren Bierdruckapparat durch den Bierkoiasum natürlich recht bald abzuzahlen sehr stark interessiert sind. Müssen wir, der Scylla entflohen, unrettbar der Charybdis erliegen? Erwachet drum aus Eurem Schlaf und reibt Euch die Augen! 3. X. 09. L. K n e 1 1 e r. Marburg. Durch unsern letzten Bericht sah sich das Präsidium veranlasst, an einige Bbr. Bbr., die im Winter überflüssigerweise nach Marburg kommen, mit der Aufforderung heranzutreten,