Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 5 (24.8.1909)
- Date
- 1909-08-24
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3537599-3537665-3537671--1281-3539375- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der jüdische Student. 123 Mitteilungen. Berlin. Am 24. Juli schloss der V. J. St. Berlin sein 28. Semester. Es war wohl eins der traurigsten, die er erlebt hat. Die Zahl der Aktiven war gering, die Burschen waren meist ältere Semester. Das mag früher wohl auch schon manchmal so gewesen sein, ohne dass es zu ernsten Besorgnissen Anhs-s gab. Aber jetzt trat etwas Neues hinzu. Früher war man gewohnt, wenigstens einige A. H. A. H. auf Kneipen und Konventen zu sehen, — dass die Mehrzahl der Inaktiven da war, schien selbstverständlich —, jetzt scheint sich in diesen Kreisen eine Gleichgültigkeit breit zu machen, die genährt ist von der Missstimmung, im Verein sei so wie so nichts los. Früher klagte man über allzu grossen Redemiss, über lange Konvente; jetzt erscheinen selbst zu wichtigem Sachen der C. C, ] aktiver Bursche, vielleicht 1—2 i. a. B. i. n. B. und 1 A. IT. Schwingt sich jemand zu einer mehrere Minuten) dauernden Rede auf, so ist das ein Ereignis. Ueber die Gründe dieser Phaenomene ist im J. St. genug geschrieben worden. Doch .was haben wir von den theoretischen Debatten, was kommt für ums dabei heraus, dass beide Teile Recht zu haben behaupten uurd sich noch verstimmter zurückziehen, wenn ihnen dies von efer anderen Seite nicht zugestanden wird. E^ kam vor, dass zu KeiHneipen 4 Burschen und 1 Fux anw esend waren, die nun mehrere Keilfüxe bearbeiten sollten. — Dies bringt mich auf die Keil frage. Wir hatten darüber auf dem Schlusskonvent eine sehr ernste Aussprache. Wir mussren feststellen, dass die F. W. V. in Berlin einen kolossalen Aufschwung genommen hat. der, verglichen mit unserem Niedergänge, umso mehr in die Augen springt. Die llasmonaea hsü gute Aussichten für das kommende Semester, mehrere Eüxe sW ihr so gut wie sicher. Besonders letzterer Umstand gab uns zu denken. Es bestand bis jetzt eine Richtung im B. J. C, die unsere Misserfolge einem allgemeinen Niedergange der jungjüdisdben Bewegung zurechnete und mit einem neuen Aufschwung dieser auch für uns einen günstigen Umschlag erhoffte. Diese Ansiriat scheint durch das Obengesagte widerlegt zu sein. Man könnte noch behaupten, dass unsere studentische Jugend den Extremen — hier Zionismus, hier Assimilamentum — zuneige und das deshalb der weniger radicale B. J. C ins Hintertreffen gerate. — Aber das sind alles Erwägungen, die ^Bürchaus unfruchtbar sind, die es vor allem den Trägen unter uns sehr leicht machen. . Wir wollen nicht die Hände in den Schoss legen» und auf bessere Zeiten warten, wir müssen versuchen, uns nadln unserem Wahlspruche selbst zu helfen. Zu diesem Zwecke müssen alle Bundesbiüder tun, was in ihren Kräften steht, mögen sie Alte Herren, Inaktive oder Aktive sein. Hier heist es jetzt arbeiten, angestrengt arbeiten. Wir haben Leopold Schutz und A. IL Salli Hirsch beauflagt, den Versuch zu machen, die Keilarbeit zu organisieren. Den Fsrienkommissionen