Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 4 (26.7.1909)
- Date
- 1909-07-26
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. S9 Die Organisation der Alten Herren.*) Eine Tendenzfrage- * Von Oscar Nathan (München), Referendar in Hamburg. Seit der Schaffung des Präsidiums würdigt man im B. J. C. endlich allgemeiner die grosse Bedeutung unserer Organisationsformen, die darin liegt, dass sie zugleich Ausdrucksmittel und Erscheinungsformen unserer Probleme sind. Das Grund-Problem des. B. J. C. ist die Judaisierung der deutschen Juden durch die jüdischen Akademiker. Genügt zu seiner Lösung das „Ob" der „Stellungnahme* unserer Kartellstatuten? Die Frage zu bejahen, bedeutet ein Majestätsverbrechen am Judentume. Weil es in unserem Sinne keime Judaisierung der deutschen Juden ohne die jüdischen Akademiker gibt, haben wir uns entscheidenden Einfluss auf das „Wie" zu sichern. Alle, die fern von dem Idealismus des Corporationslebems und den ,,socii malorum" in judaicis, den Bundesbrüdern, Enttäasehungen und Ernüchterungen besonders leicht ausgesetzt sind, missen sich stets und allerorten nachdrücklich als Juden betätigen. Das heisst: Rückwirkung auf weiteste jüdische Kreise! Bisher glaubte man der zu entsprechen, wenn der Schriftführer des Litteralurvereins den Respekt vor den ernsten Beratungen des Kartelltages attestierte oder ein kokettes Bundesschwesterlein inter oscula aueh mal von Jung- Juda schwärmte. Unsere Alten Herren sollen — durch ihre Studentenzeit gereift und dennoch mit jugendlichem Eifer — in unserer Idee und für unsere Idee wirken, nachdem sie die Betätigung in der Corporation selbst mehr oder weniger aufgegeben haben. — Stellt sich die Organisation der A. If. A. II. nicht als Conservierungsmittel, sondern als Erziehungselement dar, so hat danach die praktische Ausgestaltung zu erfolgen. Der B. J. C. ist nicht nur £ür Leute von 18—23 Jahren, sondern eine jüdische Lebensßchule auch in dem Sinne, dass er während des ganzen "geistigen Lebens — und das ist an keine Altersgrenze gebunden — den B. J. C.er schulen soll. Man kannte bis vor kurzer Zeit nur die Alt-Herren-Bünde, denen die A. II. A. H. eines bestimmten V. J. St. angehörten (Personalitätsprinzip). Dem gegenüber bringen die Bezirksverbände das Territorialitätsprinzip zur Geltung. A. H.-Bünde existieren in Berlin, Breslau und München. Dass sie sich bewährt hätten, -behauptet niemand. Da für die Bezirksverbände einstweilen dasselbe gelten muss, wird zu untersuchen sein, wras für, wras gegen beide Institutionen spricht. - - , Für den Ar II.-Bund existiert die beschränkte Möglichkeit, unter seinen durch Zeit und Raum getrennten Mitgliedern das standing eines V. J. St., seine persönliche Note, zu wahren. Aber *) Trotz gewisser Bedenken freue ich mich, heule in einem von dem Vorkämpfer des Bezirksverbandsgedankens geschriebenen Aufsatze die Grundlage für eine Diskussion der wichtigen Frage bieten zu können. M.