Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1909-07-26 · Heft 4 (26.7.1909) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
6 (1909-1910)
Issue
Heft 4 (26.7.1909)
Date
1909-07-26
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537665-3537670--1233-3539326
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der'jüdische Student. Was not tut. Die Aufgabe, die das Judentum der Gegenwart zu bewältigen hat. ist in der Theorie bereits vollkommen gelöst. Die Antwort auf die Judenfrage ist seit Herzls Auftreten endgültig gegeben. Es gilt, aus dem jüdischen Volke ein Staatsvolk zu machen und für dieses Volk einen Staat zu schaffen. Das richtige Verständnis der jüdischen Geschichte des 19. Jahrhunderts, das uns vor nicht allzu langer Zeit erschlossen wurde, hat dieses Ergebnis als das einzig mögliche und richtige erwiesen. So muss denn auch der V. J. St., will er seinem Programm getreu Mitarbeit leisten an lebendiger Entwicklung des Judentums, der praktischen Verwirklichung dieses theoretischen Ergebnisses zu dienen trachten. Das ist der Gedanke, der den B. J. C. in seiner Gesamtheit zum ersten Mal — richtiger zum ersten Mal wieder nach einer zeitlich nicht allzu ausgedehnten, in der 'Wirkung aber sehr kraftigen Unterbrechung — zur Zeit des Königsberger K. T. beschäftigt hat. Er befasst sich mit der Lebensfrage des B. J. C. Es handelt sich hier darum, welchen Sinn die Existenz des V. J. St. überhaupt hat. Bei der Wichtigkeit dieser Erage hätte, wenn die Antwort nicht allen B4 J. U.ern ohne weiteres klar war — und das war nicht der Eall — eine rege Diskussinn im ganzen Kartell und schliesslich eine klare, unzweideutige Beantwortung die Folge sein müssen. Statt dessen war bald nach dem Königsberger K. T. kaum noch die Rede davon. Nur unmittelbar vor dem K. T. und* auf ihm selbst hat man sich lebhafter ausgesprochen. Aber diese Aussprache wurde nicht zu Ende geführt. In Königsberg erklärten zwar die Delegierten als ihre ubereinstimmende Ansicht, dass das Programm des B. J. C. im Sinne des an die Spitze dieses Artikels gestellten Gedankens, der Erziehung zum Zionismus, zu verstehen sei. Aber diese Ansicht sollte eben nur die der Delegierten, nicht die des K. T. als solchen sein. Und so ist die herrschende Ansicht im K. T. nach wie vor, dass eine authentische Interpretation unseres Programms nicht erfolgt sei. Die Streitfrage ist noch nicht gelöst. Der letzte K. T. hat sich mit Tendenzfragen so gut wie garnicjht befasst. Die Unklarheit ist bestehen geblieben. Und wenn sich auch nicht verkennen lässt, dass die neue, wenn man will, radikale Richtung ausschlaggebend geworden ist — die jüngste Geschichte des B. J. C. zeigt dies mit genügender Deutlichkeit —, so ist damit doch noch nicht ausgeschlossen, dass eine Anzahl von K. V. K. V., jedenfalls eine recht beträchtliche Anzahl von Bundesbrüdern, an diesem wichtigsten Problem des B. J. C.ers achtlos vorbei gegangen sind. Ich halte daher eins für notwendig: wir sollten jetztv wo wir ein reichliches halbes Jahr bis zum nächsten K. T. haben, anfangen, uns auf eine gründliche prinzipielle Diskussion auf diesem K. T.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.