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Der jüdische Student · 1909-06-17 · Heft 3 (17.6.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
6 (1909-1910)
Issue
Heft 3 (17.6.1909)
Date
1909-06-17
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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63 Der jüdische Student. Freiburg unter den umgestalteten Verhältnissen aufhören wird, das Wetterloch für den B. J. C. zu sein. Wir haben an dieser Stelle noch eine Verpflichtung zu erfüllen, die wir kürzlich dem Rektorat gegenüber übernommen haben. Hier wird seit einiger Zeit eine Sammlung zur Beschaffung eines Ehrengeschenkes veranstaltet, das der Universitäi anlässlich der Einweihung des neuen Kollegiengebäudes gewidmet werden soll. Da die Gaben bisher nur spärlich geflossen sind, ersuchte uns die Behörde, auf unsere I. A. B. I. A. B. und A. H. A. H. entsprechend einzuwirken. Wir erfüllen hiermit diese Pflicht und bitten, uns etwaige Spenden zugehen zu lassen. Fink. Königsberg. Wie wir zur Bürgerschaft Königsbergs stehen, hat sich wieder einmal auf unserer Antrittskneipe gezeigt. Gegen 100 Leute waren da von den verschiedensten Lagern: Orthodoxe und Liberale, Zionisten und Assimilanten. Und alle sangen mit der gleichen Begeisterung unsere Lieder. In allen offiziellen Reden — es wurden ungefähr ein Dutzend gehalten — wurde unsere Tätigkeit anerkannt und ausgesprochen, dass man sie für notwendig hält (wenn dann auch mancher Redner zum ScMuss sein Glas auf Hie selige Zukunft leerte, da unser V. J. St. nicht mehr n^tig sein würde). Es war im ganzen eine Kneipe, wie sie nur selten erlebt wird. Wahre Begeisterung und starkes stolzes Gefühl, Jude zu sein und bleiben zu wollen, beherrschte jeden Anwesenden. Nicht wenig hatte zu dieser Stimmung die vorzügliche Tendenzrede von Blumenfeld beigetragen. Es ist unserem Verein nicht leicht geworden, eine Stellung innerhalb der hiesigen Bürgerschaft zu erringen, die ihn fast zum Mittelpunkt des gesamten jüdischen Lebens von Königsberg macht. Für dieses Ziel haben unsere A. H. A. Ff. sehr viel getan. Vor 4- Jahren noch hatten wir — und besonders sie — die ganze Gemeinde gt-*gcn sich und wurden uberall zurückgewiesen. Sie haben aher nicht locker gelassen und immer von neuem die Diskussion eröffnet und dabei politischen Takt gezeigt, der die Bewunderung eines jeden Beobachters hervorrufen musste. Man darf nicht vergessen, dass wir bei Einrichtung unserer Kneipe nicht an die Bbr. Bbr. appelliert haben, die andern K. V. K. V. angehören, sondern innerhalb einer Bürgerschaft, die unsere Prinzipien nicht teilte, unsere Gönner zu dem Verein der Freunde organisiert haben, damit wir — wie es so schön in unserem Zirkular an die Freunde heisst „nicht gehemmt durch äussere Sorgen, an unserer Entwicklung haben arbeiten können". Wir können den lieben K. V. K. V., falls sie nicht etwa an Geldüberfluss leiden, nur empfehlen, ebenfalls derartige Organisationen zu schaffen, was wohl nirgends zu schwer sein dürfte und jedenfalls mehr Aussicht auf Erfolg hätte als ein Appell an die K. V. K. V., die doch alle mit sich selbst genug zu tun haben.

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