Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 6 (1909-1910)
- Issue
- Heft 3 (17.6.1909)
- Date
- 1909-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3537599-3537665-3537669--1203-3539295- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der jüdische Student. 47 Hinsicht ist folgender öffentlicher Notschrei des Vereins Deutscher Studenten an der'technischen Hochschuile zu Darmstadt: „Da wir nur mit drei Aktiven in das neue Semester eintreten, wird es uns leider nicht möglich sein, aus eigener Kraft unseren für Süddeutschland so wichtigen Verein aufrecht zu erhalten/ Das ist ein bezeichnender Verzweiflungsscilnirei von einer südlichen Hochschule, wo mehr als andersw© das studentische Leben blüht. " Freilich wird auch in den einzelnen Veräinen herzlich wenig geboten. Allenfalls wird die Judenfrage noch erörtert. Das ist meist die einzige „wissenschaftliche4* Betätigung. Man sehe sich daraufhin nur die Vereinsberichte in d!em Verbandsorgan an. Ueberall klingt nur der Jubel über Frdibierspenden heraus bei dieser oder jener Gelegenheit. Dazu kommen noch Meldungen über andere Festlichkeiten, Fackelzüge usw. Weiter hat man den Verbandsbrüdern_ im Reiche nichts mitzuteilen. Ob wirklich dieser vereinzelte Notschrei a.ms Darmstadt gar so typisch ist? Den den M. A. nahestehenden Korporationen ist auch schon mal eine Gründung schief- und wohl aurh eingegangen, lieber den D e'u t s c h a k a d e m i s c h e n F r a n e n - B n n d brachte das B. T. die beiden folgenden Notizen in der Fratienrundschau (v. 14. und 22. V.): Gegen die reaktionären Flemente in der Studentinnerischaft hat der kürzlich in Frankfurt a. M. versammelte Bundestag der acht akademischen Freibünde in einer sehr scharfen Resolution Front gemacht, aus der wir hier follg.endes wiedergeben wollen: „Der Freibundstag bedauert lebhaft dk kürzlich in Berlin . erfolgte Abschwenkung einer reaktionärem Frauengruppe und hofft, dass dieses Beispiel an anderen Universitäten keine Nach- * folge finden möge/ f' Dieser Resolution, welche zehn Unterschriften trug, unter anderem auch die des bekannten Dortimunder Rechtsanwalts Kohn liegt ein Tatbestand zugrunde, der -seinerzeit wenig bebekannt geworden ist, seiner prinzipiellem} Bedeutung wegen aber hervorgehoben zu werden verdient Der „Verein studierender Frauen44 war nämlich vom „Vereiim deutscher Studenten44 (V. d. St.) zu einer Festlichkeit eingeladen worden, und der damalige Vorstand hatte diese Einladung angenommen, trotzdem der V. d. St. ausdrücklich die jüdischen Mitglieder des Studentinnenvereins ausschloss! Hiergegen erhob sich im Verein selbst starke Opposition, welcher dlenn auch der Vorstand weichen musstc; der „Verein studierender Frauen44 hat also damit aus sich selbst heraus den antiquierten Rassestandpunkt gründlich verworfen. Der zurückgetretene Vorstand hielt es aber für angemessen, einen neuen Verein zu gründen,