Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 9 (16.12.1908)
- Date
- 1908-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student» 181 Bewertung stellt sich der Zionismus als eine höhere Entwicklungsform dar als die Assimilation deswegen, weil der Zionismus der deutschen Juden überwiegend aus idealistischen Motiven entspringt, weil er einen Akt des freien Willens ist, zu dem es keine durchaus zwingenden Gründe gibt, die Assimilation dagegen meist in Möglichkeits- und Zweckmotiven wurzelt. Daher die grosse moralische Kraft des Zionismus! Der Zionismus kann das Kulturproblem für die ersten Generationen nicht lösen, aber er kann von diesem Problem befreien, in dem er als ein Ideal über die Wirklichkeit hinausfuhrt. Er ist somit ein Ideal, in dem egoistische und altruische Motive glücklich gemischt sind. — Die deutschen Zionisten sind Idealisten aber keine Phantasten. Denn der Zionismus ist vom Standpunkt des Einzelnen zwar eine freie Wahl, vom Standpunkt der Gesamtheit aber eine Notwendigkeit. — Redner beleuchtete dann die soziale und politische Lage des ganzen jüdischen Volkes, behandelte den Antisemitismus und seine Gründe, und besprach die Grundanschauungen der zionistiscnen Theorie über den nationalen Charakter der jüdischen Gesamtheit. Gegenüber den Problemen der Gesamtheit versagt die Assimilao o tion, die einzige Lösung ist der Zionismus. —- In den Schlussausführungen wandte sich der Redner wieder an die „Einzelnen", die modernen Juden. Der Zionismus ist zwar für den Einzelnen ein Wollen und kein Müssen. Aber vom Wollen zum Müssen führt eine Brücke: Sollen. Wir sollen Zionisten sein. Sittliche Verpflichtungen, gegründet durch historische Zusammenhänge, knüpfen uns an das alte Yolk und sein Schicksal. In der Rückkehr zum Judentum liegt für den Einzelnen die Begründung einer neuen, glücklichen und fruchtbaren Tradition und für die Gesamtheit der erste Beginn einer neuen jüdischen Kultur. In der Diskussion sprach zuerst Herr Dr. Teubler. Er bedauerte, dass in der Diskussion gewöhnlich zu leichtes Geschütz gegen den Zionismus aufgefahren werde. Er Hess durch sich dann den jüngsten zionistischen Fuchs folgende Fragen beantworten: Wird die Türkei die Juden nach Palästina ziehen lassen: Ist die Immigration möglich? Werden wir durch Einwanderung nach Palästina die Lage der Zurückbleibenden beeinträchtigen? Wie soll sich der Einzelne zum Zionismus stellen? Herr Studiosus Löwenstein., der in fast 3/4 stündiger Rede unter mancherlei Störungen seine Weltanschauung darzulegen suchte, trat schliesslich nach mannigfachen Konzessionen an den Zionismus mit dem Vorwurf hervor, eine so erhabene Idee Hesse sich nicht in die Fesseln einer Organisation schnüren. Gegen ihn wandte sich Rechtsanwalt Dr. Grone mann mit dem Bemerken, dass Löwensteins theoretische Bedenken zwar zuträfen, jedoch jeder praktischen Bedeutung entbehrten. So habe sich auch die Idee des Deutschtums in dem Konktetum des deutschen, organisierten Reiches verdichtet, und dieses sei doch „ganz schön". Nach ihm trat Dr. Elias Auerbsch auf, der kurz ausführte, dass man sich seiner jüdischen Individua-