Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 9 (16.12.1908)
- Date
- 1908-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537654-3537661--1025-3539179- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der jüdische Student. 169 Im Sommersemester 1908 studierten 3594 Ausländer in Deutschland gegen 3869 im Wintersemester 1907-08, 3766 im Sommersemester 1907, 4151 im Wintersemester 1906-07 und 3889 im Sommersemester 1906. Von der Gesamtzahl der Studierenden von 47 799 machen die Ausländer ganze 7,5 % aus, gegen 8;3 %, 8 %, 9,2 % und 8,6 % in den früheren Semestern. Zugenommen hat die Zahl der studierenden Japaner, Bulgaren, Rumänen, Serben, Türken, Italiener, Schweizer, Belgier, Holländer, Franzosen, Oesterreicher und Afrikaner. Die Zahl der Studierenden aus anderen Nationen ist geringer geworden. Die Zahl der studierenden- Russen ist erheblich gesunken, nämlich von 1600 auf 1373. Auch in der Schweiz soll teilweise die Anzahl der studierenden Ausländer zurückgegangen sein, nämlich an der Universität Bern, seit daselbst die verschärften Zulassungsbedingungen in Kraft getreten sind. Man sieht, dass hier allerd ngs andere Gründe obwalten. Die T. R. bringt unter dem 4. XI. 08: ■ Die neuen Aufnahmevorschriften der Bern er Universität, die die Zu'.assungsbedingungen erschwert haben, um den Andrang der nicht mit der nötigen Vorbildung ausgerüsteten Russen einzudämmen, hat eine entsprechende Wirkung gehabt. Bei der letzten Aufnahmeprüfung erschienen nur 13 Kandidaten (11 Russen und 2 Schweizer), während sich zur Prüfung im Frühjahr 109 Kandidaten, fast ausschliesslich Russen, angemeldet hatten. Infolgedessen ist nun für den Beginn des Semesters die Zahl der eingeschriebenen russischen Studenten auf 28 herabgesunken, wozu sich zunächst noch einige Verspätete gesellen werden. Im hellen Gegensatz zu dem vorhin abgedruckten Vorschlag der Beschränkung der Zulassung der Juden zum Studium steht folgende in der A. Z. d. J., Nr. 41, und der J. R., Nr. 41 abgedruckte Mitteilung der Neuen Jüdischen Korrespondenz aus Petersburg, wonach die Zustände der jüdischen Studenten selbst in R u s s 1 a n d besser werden sollen: In der letzten Session der Duma war, wie noch erinnerlich ist, ein Gesetzentwurf, betreffend die Behandlung der Juden bei der Aufnahme in die Hochschulen, eingebracht worden, den über 60 abgeordnete unterschriebn hatten. Der Entwurf wollte alle bestehenden Beschränkungen radikal abschaffen und allen Studenten ohne jede Unterscheidung nach Nationalität und Konfession den Zutritt zu den Hochschulen einzig und allein auf Grund der Befähigungszeugnisse gewähren. Die Abgeordneten, die den Entwurf eingebracht hatten, rekrutieren sich aus den Sozialdemokraten, der Arbeitsgruppe (Trudowiki), den Kadetten, der Partei der friedlichen Erneuerung und aus einzelnen links stehenden Oktobristen. Der Premierminister Stolypin hat nun die Kopie dieses Entwurfes an alle Minister und Departements- Direktoren gelangen lassen und sie zur Meinungsäusserung über das Gesetz-Projekt aufgefordert. Noch vor der Eröffnung der