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Der jüdische Student · 1908-12-16 · Heft 9 (16.12.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 9 (16.12.1908)
Date
1908-12-16
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der jüdische Student. 167 Die Feindschaft .zwischen deutschen und jüdischen Studentenverbindungen ist in Wien eine besonders starke. Seit langem schon . verweigern jene den Juden die Satisfaktion. Die jüdischen Studenten haben darum stets in Fällen der Beleidigung, in denen ihnen die Satisfaktion verweigert wurde, die Beleidiger kurzer Hand körperlich gezüchtigt. (Ein solcher Thatbestand bildete auch den Grund für die letzten Schlägereien in Wien.) Es ist nicht zu verwundern, dass die starke Spannung, einmal zu derartigen Entladungen wie den jüngst stattgehabten geführt hat. Ein Hauptaugenmerk richten die reichsdeutschen Antisemiten auf die Gefahr der Verseuchung der Hochschulen und akademischen Berufe. Zur Abwehr des in „ganz ungeheurem Prozentsatz zu der jüdischen Bevölkerungsziffer" die höheren Lehranstalten und Universitäten „bevölkernden Nachwuchses" genieren die Konservativen des konservativ-liberalen Preussens sich nicht, allen Ernstes eine beschränkte Zulassunoder Juden für diese Anstalten vorzuschlagen. Die Konservative Korrespondenz schreibt: „In den Berufen der Aerzte (namentlich der Spezialärzte), der Anwälte, der Hochschullehrer spielt das Judentum eine ziffernmässig viel zu grosse Rolle. Schon der verewigte v. Kleist- Retzow hat zu Massnahmen gegen dieses Vordringen, das dem Staat viel Geld kostet, dringend geraten. Statt diesen Rat zu befolgen, werden dem Judentum noch immer neue Wege zum Eindringen in akademische Berufe erschlossen. Und dieses Eindringen ist in vielen Fällen gleichbedeutend mit Verdrängen christlicher Mitbewerber. Schon die Gerechtigkeit also sollte gebieten, die Juden zu akademischen Berufen nur im Verhältnisse der jüdischen Bevölkerungsziffer zuzulassen." Diese unverfrorene Forderung ist uns nichts Neues. Wir bekommen sie alljährlich in den Lesehallenwahl-Versammlungen von den Herren im und um den V. D. St. zu hören. Die vorliegende Notiz enthält aber eine grobe Unwahrheit. Die K. K. möge doch einmal angeben, inwiefern die jüdischen Anwälte und Hochschullehrer dem Staate viel Geld kosten. Das Gegenteil ist der Fall. Der Staat braucht mehr akademische Lehrkräfte, als er ordentliche Professoren hat. Er zieht also von diesen nicht ordentlichen Lehrkräften, die zum Teil aus Juden bestehen, Nutzen, ohne ihnen etwas zu vergüten. Ebenso werden die Kosten der Ausbildung der Anwälte durch eine vierjährige unentgeltliche Arbeit für den Staat reichlich aufgewogen. Allerdings ist es richtig, dass die Juden sich verhältnismässig erheblich mehr am Studium beteiligen, als die übrige Bevölkerung. Auf Grund des 204. Bandes der Preussischen Statistik bringt im September-Heft der Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden Rechtsanwalt Dr. Blau, durch Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Statistik vorteilhaft bekannt, Angaben über die Beteiligung der Juden am Studium während des Studienjahres Ostern 1905 bis Ostern 19Ö6. Hiernach studierten in Preussen von reichs-

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