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Der jüdische Student · 1908-12-16 · Heft 9 (16.12.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 9 (16.12.1908)
Date
1908-12-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Der Südliche Student Ütouate?d;i:ift öe* 25itnt>c* JüMufcei? (Eovpovattoueu 5. Jat>t:<j. Serliu, |6, Sesembeu l$0$. üo. g* Zur Frage der jüdischen Erziehung im B. J. C. Von Fritz Bernstein (Breslau). Alle Fragen der Fuxenerziehung müssen wir vom Gesichtspunkte der Zweckmässigkeit aus, in ständiger Berücksichtigung der Bedürfnisse, die das jüdische Leben erheischt, betrachten. Das geistige Rüstzeug^' des V. J. St.-ers darf nicht zu umfangreich, im freien Auftreten behindernd, braucht nicht gleissend, das Auge blendend zu sein; gediegen, widerstandsfähig und stets zum Gebrauch bereit — so muss es sein. Dem Burschen, der auf den Kampfplatz des jüdischen Lebens entsandt werden soll, muss auch die Fähigkeit mitgegeben werden, zu allen jüdischen Fragen —• äusserer wie innerer (politisch,sozialer wie religiös-kultureller) Art seine Stellungnahme selbst zu bestimmen. Er muss z. B. das Für und Wider wie bei Fragen des Zentralvereins oder des Zionismus auch bei irgend welchen Fragen der religiösen Reform gegen einander abzuwägen imstande sein. Denn dann erst können wir ernstlich an die Erfüllung unseres letzten Programmpunktes denken, wenn unsere Alten Herren sich nicht nur in der zionistischenOrganisation ihr ihnen zukommendes Arbeitsfeld suchen, sondern auch in den Gemeindestuben dem B. J. C.-Gedanken getreu echtes Jugentum, wo es verblasst ist, wieder aufzufrischen, wo es noch in Reinheit glänzt, es vor Verdunkelung zu bewahren trachten. Wohl richten wir in ernstem Eifer unser Streben darauf, unsere Füxe für die politisch-soziale Betätigung innerhalb der Judenheit tüchtig und arbeitsrreudig zu machen. Doch wie wenig sargen wir für eine sachliche Ausbildung . in religiös-kulturellen Dingen! Manche werden mir vielleicht engegenhalten wollen, dass die Frage der Religion uns als V. J. St.-er, als N a t i o n a 1 juden, nichts angingen. Meint ihr wirklich? Dann seid ihr in einem gewaltigen Irrtum befangen! Wer bildet unser jüdisches Herz, wer beseelt uns mit inniger Liebe zu allen so rührenden Aeusserungen echter „Jüdischkeit", wrenn nicht das jüdische Haus, der Pfeiler, auf den das Gebäude der jüdischen Religion, d. i. des jüdischen Lebens, gestützt ist! Mit der Anwendung der fein-logischen Begriffe von Nation und Religion auf unsere komplizierten jüdischen Verhältnisse lässt sich nur unsagbares Unheil anstiften. Haben wir bisher überhaupt eine jüdische Kultur, wenn nicht eine nur religiöse oder doch auf der Religion fussende! Der Glaube an eine jüdisch-nationale Kultur unabhängig von aller Religion ist ein Dogma, und nur der vermag

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