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Der jüdische Student · 1909-03-19 · Heft 12 (19.3.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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Der jüdische Student. 275 erstere nach zahlreichen Enttäuschungen im grossen jüdischen Leben sich wenigstens Enttäuschungen im eigenen engeren Kreise ersparen wolle und deshalb unbedingt an ihre Mitglieder' die höchsten Ansprüche stellen müsse. — Erich Cohn drückt seine Enttäuschung aus, dass ein Mann wie Zlocisti, von dem er immer mit höchster Verehrung habe sprechen hören, jetzt nach verhältnismässig so engen Gesichtspunkten den V. J. St. beurteile, und bedauerte, aus den Reden der Alten Herren Zlocisti und Goidberg so wenig Liebe und Achtung für den Verein heraushören zu können. Er bestritt, dass Zwirns Erziehung, die auf Charakterbildung abziele, .weniger wert sei als Zlocistis auf geistige Schulung gerichtete. Die Diskussion ging dann darauf ein, wieweit rein äussere Umstände es den Alten Herren überhaupt noch möglich machten, sich ihrer Korporation zu widmen. Jakobsohn suchte aus seiner persönlichen Erfahrung nachzuweisen, dass dies in recht geringem Masse der Fall sei, Zlocisti unterstützte ihn. Nach Zlocistis Ansicht macht der brutale Kampf um die Existenz die Alten Herren zu klein und zu müde, als dass sie sich noch mit Eifer der Jungen annehmen könnten. Die Verjüngung, die sie für sich von der Korporation erwarten dürften, fänden sie nicht, der V. J. St. sei leblos und vegetiere nur. Zwirn habe ihm den Todeskeim eingeimpft, Zwirn mit seinen weltfremden, heroischen Plänen. Der V. J. St. sei abgestorben, während rings im Judentum überall junges Leben erwacht sei. — Nach einer kurzen Entgegnung Zwirns endete die Diskussion mit einer Auseinandersetzung darüber, wie man in den einzelnen Fällen, die die Veranlassung zu den schärferen Konflikten gegeben hatten, etwa noch Abhilfe schaffen könnte. Rosenkranz rügte, dass der Abend, an dem man in würdiger Form über ernste Fragen gesprochen habe, so banal ende. Folgendes wäre über die Bedeutung und den Erfolg der Diskussion zu bemerken. Es ist von vornherein klar, dass es nie etwas wie eine „Verständigung" zwischen Zwirn und Zlocisti geben kann. Die Differenz zwischen ihnen ist keine persönliche Spannung, die durch eine „Aussöhnung" beseitigt werden könnte. Man kann hier einmal mit Recht das sonst in unseren Kreisen so viel missbrauchte Wort vom Gegensatz zweier Weltanschauungen anwenden. Zwirn und Zlocisti stehen sich als zwei Männer gegenüber von gegensätzlicher Begabung und Veranlagung. Zwirn der Realpolitiker, der mit dem Vorhandenen zu rechnen versteht, dessen Treffsicherheit und Begeisterung immer hinreissend wirken werden; Zlocisti — eine contemplativ veranlagte Natur, der das Gegebene erst nach seinen Begriffen formt, ehe er es für sich verwendet, jenem überlegen an Kultur und Feinheit der Auffassung, unterlegen an Fähigkeit zu tatsächlichem Wirken. Welche von beiden Tendenzen kann heute unserer Sache nützen? Die Majorität wird sichunbedingt auf Zwirns Seite stellen. Zu Zwirn treten wird vor allem

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