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Der jüdische Student · 1909-03-19 · Heft 12 (19.3.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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274 Der jüdische Student. die Aktivitas seit langem sich gegenüber den Alten Herren habe zu Schulden kommen lassen. Hinter diesem burschikosen und rücksichtslosen Auftreten verberge sich die innere Schwäche und Haltlosigkeit des Vereins. Ueberall sehe man die Zeichen des Verfalls. Die Mitgliederzahl nehme dauernd ab, da der Verein keine Zugkraft mehr ausübe. Vorträge, die den Mittelpunkt des Vereinslebens bilden müssten, fänden kaum noch statt. Werde einmal einer gehalten, so folge ihm Totenstille und Verlegenheit, statt dass, wie in früherer Zeit, jeder mit Lebendigkeit und Interesse seine Ansicht vorträgt. Goldberg ergänzte die tatsächlichen Ausführungen Zlocistis. Beiden trat mit Entschiedenheit Zwirn entgegen. Er gab zu, dass wohl hier und da im einzelnen Verstösse gegen den guten Ton vorgekommen seien, und missbilligte "sie. Aber Zlocisti bleibe an diesen Zufälligkeiten haften und erkläre sie für das Wesentliche. Seine Kritik sei lieblos und nicht gerecht. Ihre Alten Herren ehre kaum eine Korporation so wie der V. J. St., wenn diese nur einmal sich dazu herbeiliessen, im Vereine zu erscheinen. Er verkenne nicht, dass man Zlocistis glänzender Begabung vieles Gute verdanke; aber tatkräftige und zielbewusste Männer, die der jungjüdischen Bewegung vor allem nottäten, seien — daran kranke der Verein noch heute — aus Zlocistis Schule nicht hervorgegangen. Solche will Zwirn heranziehen: eine Kerntruppe von absolut zuverlässigen Menschen schaffen, die mit Treue und Hingebung ander Sache, die sie vertreten, und an einander hängen. Dazu, und nicht aus Lust am feudalen Auftreten, benutze er die Mittel, die das studentische Korporationswesen biete. Durch diese Reden waren die Grundlagen für die folgende Diskussion gegeben. Unterstützung fand Zlocisti bei Hantke, der dieselbe Verflachung, wie sie die jung-jüdische Bewegung seit Herzls Tod überhaupt zeige, insbesondere im V. J. St. zu finden glaubt und die übertriebenen Anforderungen an die Alten Herren bekämpft; sowie bei Ellenbogen, der den Wert der Vorträge und Diskussionen hervorhebt und behauptet, dass Zwirn mit seinen Idealen höchstens zwei oder drei V. J. St.-er gewonnen habe. Für Zwirn trat zunächst Rasenkranz ein. Er warf Zlocisti vor, man erzeuge durch eine Kritik, wie Zlocisti sie geübt habe, nur Verbitterung und stosse die jüngeren Bundesbrüder, die mit Achtung und Vertrauen zu ihren Alten Herren kämen, brutal von sich. Zlocisti verkenne, dass heute die V. J. St.er sich ehrlicher und tiefer mit den Problemen des modernen Judentums quälten, als je eine Generation, dass sie Kämpfe in sich auskämpften, die der Jugend der früheren Generation erspart geblieben wären. Gearbeitet werde im Stillen enorm, an Qualität sei der V. J. St. bedeutend gestiegen, er sei auf dem Wege, die Elite der deutschen Judenheit heranzubilden. Danziger begründete die Intensität des Kampfes der jüngeren gegen die ältere Generation damit, dass die

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