Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1909)
- Date
- 1909-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Der jüdische Student. Nur das Eine sollen die V. J. St.-en nicht tun: was Jakob Jakobson ihnen rät, aus sich selbst und in eigener Leitung Diskussionsklubs zu schaffen. Den Verein von jungen Kaufleuten muss man mir zeigen, der es geduldig trägt, dass eine Studentenkorporation oberster Herr in ihm ist. Und dazu: Ein solcher Diskussionsklub wäre ein erweiterter Convent. Nicht das Heraufziehen der Kaufleute zum jüdisch-studentischen Standpunkt (das wäre Vergewaltigung), sondern Anpassung an die Stimmungen, die den jungen Kaufmann in judaicis erfüllen, ist die Aufgabe. Denn — das scheint mir auch eine Voraussetzung für gedeihliches Arbeiten des V. J. St. im Jugendverein zu sein — man muss auf die Stufe des jungen Kaufmanns (herauf oder herunter?) sich begeben, einen Abend nur Jude, nicht jüdischer Student sein. So mag man auch (damit komme ich Jakobsons Vorschlag wieder näher) einmal das Kneiplokal entweihen und — horribile dictu — junge Kaufleute zu Vereinsvorträgen einladen. Aber wird man (sei es nur in einem Kartellverein) soweit kommen? Werden diese Worte Erfolg haben? Nun, die Zukunft zeigt's, ob zu diesem grossen Stück der jüdischen Renaissance der R. J. C. sein Teil geben will. Hermann D u k a s, Freiburg. (Präsident des Jüdischen Jugend-Rundes Freiburg i. Rr.V Auch etwas über die Marbur^er Rabbiner-Versammlung. -J Von cand. phil. Felix Rosenblüth, Heidelberg In der Februar-Nummer des J. St. nimmt Rbr. Danziger auf die Versammlung der „traditionell-gesetzestreuen" Rabbiner Deutschlands" Rezug, welche vor Kurzem in Marburg stattgefunden hat. Da ich bei den Referaten über den Zionismus und einem Teil der Diskussion zugegen war und Gelegenheit hatte, durch Unterhaltung mit einigen Rabbinern die Stimmung zu erforschen, möchte ich dazu folgendes bemerken. Das Referat des Rabbiners Goitein. welcher sich zum Fürsprecher des Zionismus erboten hatte, war derart schlecht, dass es selbst den Gegnern des Zionismus leid tat. Der Korreferent, Rabbiner Kohn-Ansbach, gab — abgesehen von der interessanter Remerkung, die halachische Entscheidung über den Zionismus sei so schwer, dass er trotz eingehender Reschäftigung damit noch zu keinem Resultat gekommen sei — eine treffende Gegenüberstellung der Gründe, welche vom orthodoxem Standpunkt für und wider den Zionismus sprechen. Er schlug eine abwartende Haltung vor, und demgemäs's wurde auch nach langer Diskussion, in der alle möglichen Standüunkte vertreten wurden, beschlossen. Wenn man die Marburger Reschlüsse mit allen früheren Rabbiner-Resolutionen, auch den ausländischen, und der der ehemaligen Rabbiner-Commission der Freien Vereinigung vergleicht, so sind sie entschieden als Fortschritt zu betrachten, da sie zum ersten Male keine direkte Ab-