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Der jüdische Student · 1908-11-25 · Heft 7-8 (25.11.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 7-8 (25.11.1908)
Date
1908-11-25
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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153 heit und ihrem starken Gegensatz eine besonders starke Reibungsfläche. Sie liefern dem Judenhass immer aufs neue Nahrung und entfachen damit immer wieder eine Bewegung, die der Erfüllung der grossen Ideale des Sozialismus hemmend im Wege steht. Durch die späteren Verteilungsvorsehlüge Ächers wird diesem Uebel nicht abgeholfen werden, der Judenhass wird höchstens auf andere Gebiete verpflanzt. Dem Zionismus dagegen wird man zugeben müssen, dass er, wenn er verwirklieht ist, dem Elend, dass sich auf Judenhass zurückführen lässt, abhilft. Tin eigenen Lande können sich ja nur die Juden unter einander hassen, und das wird sicher nicht in grösserem Umfange geschehen, als es die Menschen anderwärts tun. Dadurch aber, dass der Zionismus den Judenhass zum Schweigen bringt, ist er ein Gewinn in der Richtung des Sozialismus. In der Tat scheint übrigens auch die Geschic! tsentwicklung dahin zu gehen, dass es den Nationen allmählich ermöglicht wird, sich in ihrer Eigenart auszuleben. Und wenn Mathias Acher einmal den Umstand, dass die nationalen Kämpfe an Heftigkeit weit nachgelassen haben, als Zeichen einer Entwicklung im sozialistischen Sinne anführt, so zeigt er doch zunächst, dass man allmählich auch den schwächeren Nationen die Betätigung ihrer Individualität zugesteht. Damit kommen wir zu einem zweiten Punkt. Jede Nation kann ihre Kraft am besten entfalten, wenn sie selbständig im eigenen Lande lebt. Das Land allein bildet die Form, in der sich auf die Dauer nationale Kultur, die von allen Kräften des Volkes durchströmt wird, bilden kann. Auch Mathias Acker gibt zu, dass das Land eine Form ist. in der Kultur gedeihen kann, nur scheint sie ihm für die Juden unerreichbar. Nun haben wir gesehen, das» auch die allgemeine Menschheitsentwicklung die Nationen darauf hinweist, ihre Kräfte so frei wie möglieh zu entfalten. Das aber ist nur im eigenen Lande bei politischer Freiheit möglich. Selbst wenn wir zugeben, dass bei den Vorschlägen, wie sie Mathias Acher macht, etwas herauskommen könnte, so wird sich doch nie damit die höchste Stufe erreichen lassen. Wenn die von ihm geplanten Verteilungen vorgenommen werden, so werden die einzelnen Volksteile übermächtigen fremden Einflüssen ausgesetzt, die in ihnen eine einheitliche Kultur nicht aufkommen lassen (was er übrigens auch einmal zugibt, aber mit dem Zusatz: „Was schadet's?tt); Die Zersplitterung der Volksinassen führt notgedrungen zu einer Zersplitterung der Kräfte, denen auch noch die wohltätige Wechselwirkung der nahen Nachbarschaft verloren geht. Dagegen wird das eigene Land, welches zunächst die äussere Judennot aus der Welt schafft, den Juden Gelegenheit geben, eng bei einander alle ihre Kräfte zusammenzunehmen und so in der Tat eine einheitliche jüdische Kultur zu schatten. Hier werden auch die Westjuden, diese Sorgenkinder Mathias Achers, deren Aufgabe es sein wird, an der Veredelung der starken jüdischen Eigenart der Ostjuden mitzuarbeiten und -die ihr jüdisches Gefühl heute zu Zionisten macht,

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