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Der jüdische Student · 1908-11-25 · Heft 7-8 (25.11.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 7-8 (25.11.1908)
Date
1908-11-25
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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140 Der jüdische Student. liste gesetzt? Unseres Wissens in keinem einzigen Fall. Damit sind die Ministerien schon des grössten Teiles ihrer Verantwortlichkeit enthoben, und die Fakultäten erscheinen aufs schwerste belastet. Will Herr Professor K a u f m a n n auch nach diesen Ausführungen noch uneingeschränkt behaupten, dass die deutschen Fakultäten unbeirrt von allen mit der Wissenschaft und ihrer Lehre nicht im Zusammenhang stehenden Erwägungen und Fmpfindunge.i ihre Beschlüsse fassen? Fs sei hier auch an die in Nr. 4 (S. 78) dieser Zeitschrift mitgeteilte Bemerkung der J. R. über dieses Thema erinnert. Iis gibt aber auch ausserhalb der Universitäten Leute, welche die Wissenschaft und den Antisemitismus zugleich pflegen. Bekannt ist der Fall des Dr. Moses-Mannheim. 0 Fr trug sich nach, der eigenen Sehildung des Dr. Moses folgendermassen zu: In Pannstedt tagte der Deutsche Verein für Scliiilgeswidhekspflege. Dr. Moses seilte über Mädchenschulhygiene sprechen, auf welchem (lebieie er sich schon vorher erfolgreich betätigt hatte. Kurz vorher w urde aber plötzlich dieser Vortrag dem Prof. Dr. Schmidt in Bonn übertragen mit der falschen Begründung, dass dieser zuerst die Frage angeregt habe. In Darmstadt erklärte aber der Vorsitzende des Vereins dem Dr. Moses offen, er habe sich unter Hinweis nur seinen in Baden unter allseitigem Beifall gehaltenen Vortrag für ihn eingesetzt. Der Vorstand habe ihn aber wegen seines Namens abgelehnt, nicht wegen seines Namens als Schulhygieniker, sondern we^en des alttestamentarischen Charakters seines Namens. Fs sei in jener Sitzung erklärt worden, dass, wenn Moses' Name als Referent auf der Tagesordnung stände, das preussischc Ministerium sich auf keinen Fall in Darmstadt vertreten lassen würde. - - Da nun dies die objektive Pflege der Wissenschaft nicht vertragen hätte, musste eben Dr. Moses im Interesse der Wissenschaft preisgegeben werden. Dieser Tage starb in Berlin der Sanitätsrat Dr. Salomon Neumann. Dieser ausgezeichnete Mann war insbesondere auf dem Gebiete der Statistik der Juden bahnbrechend tätig. Von seinen zahlreichen Schriften seien die beiden Broschüren hervorgehoben, mit denen er im Anfange der achtziger Jahre die Treitschke'sche Lüge von einer Masseneinwanderung ,,hosenverkaufender Jünglinge" über die preussische Ostgrenze widerlegte.

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