Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 11 (24.2.1909)
- Date
- 1909-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537654-3537663--1100-3539086- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
242 Der jüdische Student. Nachfragen nicht genügen kann. Die Anzahl der vermittelten Stellen eines Nachweises, bezogen auf die angebotenen, wächst mit der absoluten Anzahl der letzteren. Die Organisation muss daher von vornherein grosszügig angelegt sein. Zur Begründung und zum Ueberstehen einer Einführungszeit, während welcher sich das Arbeitsamt noch nicht allein erhalten kann, muss von Privaten, von Stiftungen oder Verbänden ein ausreichender Fonds aufgebracht werden. Den hierzu nötigen Kredit geniesst weder der B. J. C. noch sein Präsidium, sondern nur eine vom B. J. C. losgelöste handelsgesetzlich gesicherte Form, in der zwar voraussichtlich V. J. St.er mitwirken, aber nicht den Ausschlag geben werden. Das Präsidium, die Zionistische Verewigung *in Person des Herrn Dr. Hantke und neuerdings der Kartelltag schlössen sich meinen Ansichten an und billigten den Plan, an geeignete Kreise mit einem fertigausgearbeiteten Expose heranzutreten, das mit statistischen Belegen die Notwendigkeit der Gründung eines Arbeitsamtes, die Grundzüge seiner Organisation und eine Uebersicht über den zu erwartenden Etat entwickelte. Das statistische .Material sollte zum Teil eine unter V. J. St.ern und Zionisten mittelst Fragebogen veranstaltete Enquete liefern. Bei dieser Gelegenheit traten wir mit dem Kartell Zionistischer Verbindungen in Berührung, das uns in liebenswürdiger Weise seine Unterstützung anbot und bisher nichts getan hat. Viel grösser war der Ertrag von Seiten des B. J. C. auch nicht, teils infolge der Nachlässigkeit der Vereine, teils infolge der absoluten Interesselosigkeit einzelner. Für diejenigen, welche den erwähnten Fragebogen nie gesehen ihaben, w<ill ich bemerken, dass ich nicht nur jetzt, sondern dauernd 1) um die Mitteilung von beruflichen Zurücksetzungen von jüdischen Akademikern seitens einer Behörde oder Firma (sowohl eigene als fremde Erfahrungen), 2) um die Uebersendung von Annoncen und konfessionellen Einschränkungen aus Tageszeitungen und Fachzeitschriften, soweit sie Akademiker betreffen, bitte. Für das Expose, das sich zur Zeit im Druck befindet, kann ich natürlich nur das Material verwenden, das mir jetzt vorliegt. Während dieser Vorbereitungen zur Gründung eines allgemeinen Arbeitsamtes wurde die Vermittelung im engeren Kreise durch Veröffentlichungen im Jüdischen Studenten und in der Jüdischen Rundschau fortgesetzt. Auf die Ausgestaltung dieser Einrichtung, als einer provisorischen, habe ich bisher keinen Wert gelegt. Es ist daher wohl möglich, dass der eine oder andere auf eine Bewerbung die Nachricht erhalten hat, die betreffende Stelle sei schon besetzt. Durch die am Kopfe der Mitteilungen des Arbeitsamtes abgedruckten Bestimmungen wird dieser Uebelstand in Zukunft beseitigt werden.