Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 4 (30.7.1908)
- Date
- 1908-07-30
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Der jüdische Student. Wenn wir in der letzten Nummer des J. St. lesen, dass sich in den drei Berliner K. V. K. V. zusammen zwei Püxe (von denen der eine aus Lissa und noch dazu der Bruder eines Bbr. ist, demnach in Berlin nicht gekeilt zu werden brauchte) aktiv gemeldet haben, dann ist dies ein sehr bedenkliches Zeichen. Doch wie ist den Mißständen innerhalb des B. J. C. abzuhelfen? Es kann nicht oft genug betont werden, das es zu spät ist, wenn man einen neugebackenen Studenten, den man beim Keilbesuch das erste Mal im Leben vor sich sieht, keilt. Ich glaube, dass jeder Bbr. mindestens einen Primaner oder Sekundaner näher kennt. Wenn er hier den Hebel ansetzt, wenn er diesen für den B. J. C. zu interessieren sucht, dann tut er hundert mal mehr, als wenn er bei den blödsinnigen Keilbesuchen Zeit und Mühe verschwendet. Soviel über das Keilen. Doch es gibt innerhalb des Vereins noch andere Dinge, die reformiert werden müssen. Da macht man den Alten Herren in einem fort den Vorwurf, sie kümmerten sich grösstenteils überhaupt nicht um den Verein, sie liessen sich semesterlang bei keiner Veranstaltung sehen, und nur mit Mühe bekäme man aus ihnen den geringen Beitrag heraus, oft auch das nicht einmal. Ich nehme es keinem A. H. übel, wenn er sich so dem Verein gegenüber benimmt. Der Fehler liegt nämlich nicht auf Seiten der A. H. A. H. sondern auf Seiten der aktiven Bbr. Bbr. In den meisten Fällen verkehrt der Verein mit seinen A. H. A. II. so: Der K. V. schnorrt sie schriftlich und, wo er sie ankriegt, auch mündlich an, und geben sie eine Zeit lang trotz wiederholter Mahnung nichts, dann sind die meisten Bbr. Bbr. damit einverstanden, sie aus den Listen zu streichen. Nein, liebe Bbr. Bbr., so sollt ihr mit euren A. H. A. H. nicht umgehen, denn dann ist der A. H. froh, wenn er seine stets schnorrenden Bbr. Bbr. aus der Aktivitas nicht vor sich sieht! Es ist unbedingt notwendig, dass die aktiven Bbr. Bbr. es versuchen, mit den A. H. A. H. in gesellschaftlichen Verkehr zu treten. Ja, es müsste vom Konvent aus geregelt werden, dass jeder A. H. von mindestens einem Aktiven nicht bloss in Kassenangelegenheiten, sondern auch sonst noch des öfteren im Semester besucht wird. Wenn dies erst so sein wird, dann werden unsere A. H. A. H. wieder Interesse für das Vereinsleben bekommen, dann werden sie auch Konvente, Kneipen und Feste besuchen, werden sie doch dann auch noch ausser dem K. V. aktive Bbr. Bbr. vorfinden, mit denen sie näher bekannt sind und in deren Gesellschaft sie sich gern studentischen Freuden und studentischen Sorgen hingeben werden. Unter den heutigen Verhältnissen kennt sehr oft der A. H. keinen seiner jungen Bbr. Bbr. Noch an einer dritten Stelle müsste energisch positiv gearbeitet werden und zwar an der Bekämpfung der negativen