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Der jüdische Student · 1908-06-24 · Heft 3 (24.6.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 3 (24.6.1908)
Date
1908-06-24
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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T5erjödTsche Student. 57 und Handelns zu suchen. 2) Die Masse liefert in der Summe der schon hervorgebrachten Leistungen zu den grossen entscheidenden Taten nnd Schöpfnngen die Elemente, die geradezu auf eine Entscheidung hindrängen. Aber sie tut es dumpf, stumpf und ohne Bewustsein. Alles ist fertig, aus der Entwicklung der Dinge die einzig richtige praktische Folgerung zu zielen — aber die Masse geht, soweit gelangt, TrT weitem Bogen an dem Sprung über die Tiefe vorbei, weil ihre Eigenschaften versagen. Der hier geschilderte Vorgang hat sich bei allen entscheidenden Taten der Welt und Völkergeschichte wiederholt. 8) Die Masse, auf eigne Füsse gestellt, ist immer so lange der Entwicklung und der Gesetzmässigkeit gefolgt, als sie es ohne Opfer tun konnte. Immer hat sie die Bedingungen gegeben, für die Geschehnisse der Weltgeschichte; aber die schaffende Kraft und die spezifische Form blieb stets dem Geiste des Einzelnen vorbehalten. Karl Lamprecht spricht daher mit Recht von dem „Diapason", als einer vom Einzelnen zur Masse und von der Masse zum Einzelnen gehenden, übereinstimmenden Harmonie, als dem ersten und wichtigsten Erfordernis einer jeden weltgeschichtlich bedeutsamen Begebenheit. Dass der Charakter des schöpferischen Einzelnen 4) ein ganz anderes Bild bietet als der Charakter der Masse, dass, um mich „modernu auszudrücken, die Massenpsychologie etwas der Psychologie des Einzelnen diametral Entgegengesetztes m ist (trotz aller massenps3'chologischen Versuche, trotz aller sozialistischen Tröstun- 2) Ich verweise zur Illustrierung des hier ausgesprochenen Gedankens auf eine nahe liegende Parallele in der Lösung geometrischer Aufgaben. Die „Stücke" sind „gegeben", an ihnen ist nichts quantitativ zu ve ändern. Es gilt nur zur Lösung der Aufgabe eine Form der Zusammenstellung zu finden. Im Schaffen einer neuen Form der Lösung liegt die Tat des „schöpferischen Einzelnen0. 3) statt in langen Einzeluntersuchungen stets zu dem gleichen Resultat zu gelangen, zähle ich einige hervorragende Beispiele auf: Die Anfänge der islamitischen Expansion (vergl. besonders die neuen interessan ten Forschungen von Dr. Schwally, Marburg), die französische Revolution, die deutsche Einheitsbewegung. 4) Ich vermeide mit Absicht das Wort „Genie", weil dieses mich zu steten Einzeluntersuchungen im zweiten Teil führen müsste, die zwar äusserst interessant wären, aber doch den Rahmen dieses Versuches ver- 1 ssen. Ich will vielmehr jeden „schöpferischen Einzelnen" £anz abgesehen von der psychophysiologischen Beschaffenheit seines Wesens nur deshalb in Beziehung zu meinem Thema bringen, weil er durch seine schöpferische Tat sich in einen Gegensatz zur Masse-gesetzt hat.

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