Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 1 (17.4.1908)
- Date
- 1908-04-17
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Der jüdische Student. Liebe Bundesbrüder, Würde es Sinn und vor allem auch Erfolg haben, den fünften Jahrgang des J. St. mit dem üblichen „Geleitwort" zu eröffnen — ich täte nichts lieber, als mich der Mühe zu unterziehen und von neuem besonders für die, die es noch nicht kennen sollten, das Programm unserer Zeitschrift und die Arbeit, die für sie zu leisten ist, sorgfältig zu skizzieren. Aber wir haben schon die schönsten Geleitsätze gehabt, ohne dass sie viel genutzt hätten. Von über 450 V. J. St. ern haben in dem vergangenen Jahr nicht ganz dreissig mitgetan. Und denen ist ihre Mitarbeit gar noch verübelt worden: denn, um es rundweg herauszusagen, im grossen und ganzen war das Interesse der V. J. St.er weniger als lau. Darum gehören an dieser Stelle nicht Worte des Dankes für die treue Mitarbeit (die wenigen, die Dank verdienen, verlangen ihn nicht und haben ihn doch!), auch nicht weitere positive Vorschläge für den Ausbau des J. St., sondern lediglich eine Abrechnung mit den ewigen Nörglern tut not, deren übermütige und verächtliche Kritik auf die Dauer geradezu ekelhaft wird und eine endgiltige Zurückweisung herausfordert. Es liegt mir ganz fern, mir auf meine Tätigkeit als Schriftleiter auch nur das Mindeste einzubilden: aber während mir einige durchaus massgebende Persönlichkeiten im B. J. C, darunter ehemalige und jetzige Führer, mündlich und schriftlich erklärten, dass sie völlig zufrieden seien, lassen die geborenen Krakehler es nicht an taktlosem Spott, Herabsetzung und Interesselosigkeit fehlen, jedenfalls in der stillen Hoffnung, durch ihre Wühlereien unserer Monatsschrift mit der Zeit den Boden gänzlich zu entziehen. Mir ist, wie schon gesagt, gründlich die Lust vergangen, diesen Leuten, die man „Bundesbrüder" nennen muss, immer und immer wieder V. J. St.-Moral zu predigen: sie werden nie begreifen, worum es sich hier handelt. Dass unsere Zeitschrift nicht ein Sammelorgan feinsinniger und hochgestimmter Essais sein soll, sondern ganz einfach ein ständiger Konvent, oder vielleicht besser; ein in Permanenz erklärter Kartelltag, auf dem man sich ausspricht; dass sie einen nicht lebhaft genug zu begrüssenden Zusammenhang besonders für die Bdr, Bdr. schafft, die nicht am Orte eines K. V. wohnen; dass sie, selbst in dem jetzigen „traurigen" Zustand so manchem lieben Bdr. immer noch ein gut Stück Anregung und Belehrung bieten kann, der es vorzieht, grosstuerisch die Nase über sie zu rümpfen; und dass man vor allem lieber statt allen faden Geschimpfes einmal ordentlich Hand anlegen und so selbst sein Teil zur sog. „Hebung des Niveaus" beitragen muss, etwa auch einmal seine besonderen Wünsche und Oedanken für den J. St. zum Ausdruck bringen könnte — das wollen nur so wenige einsehen! Vielleicht, dass es mit dem 5. Jahrgang besser wird; aber es ist oft zum Verzweifeln, liebe Bundesbrüder! Nur noch eine persönliche Bemerkung. Einige Bdr. Bdr. waren kleinlich genug, sich an einem Ausdruck in meiner Karte zu stossen, in der ich sie dringend um Mitarbeit bat. Abgesehen davon, dass