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Der jüdische Student · 1908-01-01 · Heft 10 (Januar 1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 10 (Januar 1908)
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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262 Der jüdische Student. werden; so schliessen sie häufig einen Kompromiss; st*e stellen sich auf eine halbhohe Warte in dem Wahne, ihre Gedanken könnten dann die Nebel, die naturgemäss alle höchsten und tiefsten Probleme umschleiern, durchleuchten — aber sie vergessen eben, dass sie nicht mehr im Bereich der Wirklichkeit fussen. Für unsere Betrachtung ist der Sozialismus als eine letzte (begriffliche) Institution sozialer Freiheit ein solches Problem. Nur wenige unter den Besitzenden vermögen sich auch nur gedanklich loszusagen von allem Krims-Krams, der ihr materielles Glück bedingt. Die Edelsten unter ihnen können sich aufraffen zu einer so reinen, erhabenen Idee. — Die Besitzenden schicken somit nur wenige, relativ allzuwürdige Vertreter in das Heer derer, die der Fahne des Sozialismus folgen. Zu einem wirklichen Bruch mit dem Bestehenden kann es — sogar bei ungleicher moralischer Veranlagung — nur das Proletariat bringen; es braucht keine Absage zu erkämpfen, kann sich mit Leichtigkeit zu den höchsten Erhebungen sozialistischer Gebirge aufschwingen, wenngleich nur von Instinkten getrieben, die sich jenen Regionen nicht leicht assimilieren können. — Doch in solcher Atmosphäre reinster Gesinnung werden diese Instinkte veredelt und vergeistigt, um, wieder zu Lebensprinzipien verdichtet, eine Rückwirkung auf ihre Träger zu garantieren. So vielleicht ist dem Proletariat die Möglichkeit gegeben, allmählich seiner Praedestination — die Sozialisierung der Menschheit einzuleiten — entgegen zu wachsen. Wir kommen zum andern Typ, d. h. wir kehren zurück zu denen, die von vornherein nur den ideellen Sozialismus als ihr eigenstes Lebensprinzip erkannt, i. e. den Weg zu ihm nur durch die saubersten Gedankengänge gefunden haben. Sie aliein sind für die folgenden Darlegungen beachtenswert; ausser ihnen gibt es unter Nichtjuden sicherlich — vielleicht auch unter den Juden — keine ernst zu nehmenden Gegner zionistischer Gesinnung. Damit ist noch nicht zugegeben, dass diese Gegnerschaft etwa auf irgendwie begründeter Basis beruhe; wir sollen nur mit gewissem Respect an die vielleicht oft grosszügigen, wohlwollenden, aber in den Grundbegriffen unklaren Vorstellungen herantreten. Es kann uns ja nicht schwer werden, uns wieder einmal in allerlei Begriffs- Verwirrungen und -Verirrungen hineinzudenken — haben wir uns doch durch eine gesunde Deduktion zu unserem geklärten Standpunkt durchgerungen. In grauer Redseligkeit hört man oft faseln von einer Hemmung des allgemeinen, rein menschlichen, über alle Völkchen erhabenen, Kulturfortschritts durch angeblich kleine nationale Sonderbestrebungen, von Rückständigkeit der Lebensauffassung, von reaktionärer, auch chauvinistischer Gesinnung, die der Zionismus gross ziehe. Die jüdische Nationalidee, sagt man, steht mit den höchsten sozialen und ethischen Forderungen der Menschheit in Widerspruch,

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