Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1907)
- Date
- 1907-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 229 Immerhin leiden noch Millionen an dieser Wahnvorstellung, an dieser schier unheilbaren Wunde, welche ein nicht geringeres Gift für unsern Organismus bedeutet als der Ultramontanismus,* gegen den sich der Redner dann wandte. Einen niedlichen Artikel brachte auch „Zahl 8* des Kyffhäusers, der ^Zeitschrift f. d. wehrhaften Vereine deutscher Studenten in der Ostmark . . . *, vom 2. Ernting (August). Diese Zierde der Wiener Presse darf es wagen, ihren Lesern als Leitartikel „koschere Kost* anzubieten, ein widerliches Gemauschel über ein Feuilleton im neuen Wiener Tagblatt von Robert Hirschfeld. Ich würde das Gefasel hier mit gebührendem Stillschweigen übergehen, wäre es nicht eine jener Anspeiungen ins Gesicht, für die die „liberalen* Juden immer wieder und wieder nur mit lächelnder Dankesmiene und erneuten Hbflichkeitsbezeugimgen quittieren. So auch wieder am 16. November in Wien, wo sie absolut eine deutschfreiheitliche Lesehalle gründen wollten. Die Deutschen natürlich wollten's gar nicht, denn die haben bereits die »Leseued Redehalle deutscher Studenten Germania*, die Juden die jüdische akademische Lesehalle, aber was tut's — man will doch gefallen! Die Gründung des proponierten Vereins wurde verhindert, nachdem besonders die Deutsch- und die Jüdischnationalen die Ueberflüssigkeit und den Mangel an innerer Berechtigung dargelegt "hatten (G. A. No. 47). Aber die »deutsch freiheitlichen* Akademiker werden sich durch das Missglücken ihrer nationalen Schiebungsversuche ebensowenig belehren lassen wieihre .Gesinnungs"- genossen in Prag. Der Reichsratsabgeordnete Dr. Arthur Mahler hat ihnen vor vier Wochen gelegentlich einer Rede im jüdischen Nationalverein für Oesterreich seine Meinung und damit die Wahrheit gesagt. Der betr. Teil seines Vortrages lautet nach dem Referat in der J. R. (No. 4-6): »In Prag fühlen sich gar viele Juden als die berufenen Retter des Deutschtums, was ist die Folge? Die Deutschen wären dumm, wenn sie nicht willig den Juden die Rolle der freiwilligen Helfer überliessen. Sie lassen sich für alle deutschnationalen Schutzvereine zahlen, sie laden ihnen die Erhaltung oder wenigstens Miterhaltung ihrer nationalen Bollwerke auf und — ziehen sich von ihnen zurück. Der deutsche Schulverein kann ruhig auf die Ausschliessung der jüdischen Lehrerelemente hinarbeiten, sein Obmann ist und bleibt Dr. Gross. Trotzdem geben die Juden bei jedem Schulvereins fest tausende von Gulden, die sie damit ihrem eigenen Volke entziehen. Die Herren Kisch etc. müssen den deutschen Charakter der Prager Universität wahren,?dafür dürfen sie aber nicht in die deutschen Studentenverbindungen und müssen sich eigene etwa mit einem Paradechristen schaffen und werden auch von allen Unterstützungsinstitutionen, wie etwa der Exkursionsfond der deutschen Techniker, rücksichtslos ausgeschlossen. Sie wahren den deutschen Charakter der deutschen Universität und diesem deutschen Charakter zuliebe werden dann ihre Schwestern zu den Fakultätsbällen nicht zugelassen.* Man wird bei diesen Worten unwillkürlich an die Stelle in Herzls .Entschwundenen Zeiten"