Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1907)
- Date
- 1907-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 223 fuhrungen des Referenten am ersten Abend zum Thema: „Modernes Studententum". Er leitete aus der Notwendigkeit der Vorbereitung des jungen Akademikers für das öffentliche Leben, besonders für die Erfüllung seiner staatsbürgerlichen Pflichten, die ja durchaus pädagogische Forderung ab, der Student müsse sich mit Gleichstrebenden zu freier Selbsterziehung vereinigen und also lernen, sich als Glied eines grossen Gemeinwesens zu fühlen, bei dem er Mitarbeit zu leisten babe. Völlig unbegründet von hier aus aber und doch so einschmeichelnd erscholl das Lob, das er der zwanglosen Gestaltung der freien Studentenschaft reichlich spendete, und der Warnruf vor dem Eintritt in eine „Gemeinschaft mit festgefügten Traditionen", „in der alles bis auf die Art des Hutabziehens und das Verleben des Sonntagnachmittags fest geregelt ist(< (nach dem B. T. v. lö. XL). Mögen sich die Sauf- und Raufvereine damit abfinden, wie sie wollen: wir wissen nur zu gut, ein wie geradezu unentbehrliches Erziehungsmittel für die jüdische Sache, der wir dienen wollen, die eiserne Disziplin ist, die wir von Vereinswegen handhaben — sollten. Was jener Vortragende so sehr mit Recht beklagte, dass die meisten Studenten für den lauten Ruf des Tages und der Gegenwart kein Ohr haben — diesem Uebelstand, der für das Judentum doppelt verhängnisvoll werden musste, radikal abzuhelfen wurde ja unser Programm: nur dass wir seine praktisch einzig mögliche Durchführung in der korporativen Zusammenfassung aller jüdischen Studenten erkannten. Dass eine solche auch auf den ganzen inneren und äusseren Menschen erziehlich wirkt und nicht nur auf den Studenten, ist uns dabei völlig klar; und es steckt ein gut Stück wertvoller Wahrheit in den beiden Zeichnungen, die die »Jugend*5 in No. 46 zum „Semesterbeginn* brachte und von denen die eine, die den derben und ungeschliffenen Pennälertypus vorführte, den Text hatte: »wie Herr Ignaz Huber, stud. jur. aus Treuchtlingen, am ersten Tage nach seiner Aufnahme in das Corps aussah*, während die zweite überzeugend zeigte, wie Herr J. H., st. jur. a. Tr., am achten Tage nach seiner Aufnahme in das Corps aussah, nachdem er auf Geheiss seines Leibburschen sich mit einem neuen Anzug, neuen Stiefeln und neuem Kragen ausgerüstet hatte". Man braucht deshalb nicht allem Blödsinn des Korporationsstudententums die Stange zu halten. Für mich z. B. bleibt in 99 von 100 Fällen der Zweikampf, ganz besonders der mit der »verdammten Pistole*, einfach eine moralische Perversität. Zu welchen lachhaft widersinnigen Folgen er führen kann, hat uns ja zuletzt der Fall Lipsky in Halle gezeigt, Der junge Mediziner, der sich antisemitisch angeulkt glaubt, wird beim ersten Schuss niedergestreckt. Sterbend reicht der Beleidigte dem mutigen Mörder die Hand. Seine Ehre ist wiederhergestellt! Wessen eigentlich? — Das ist ja egal! Das einzig Vernünftige war bei der ganzen traurigen, nein empörenden Affäre — das bemerkenswerte Plädoyer des Staatsanwalts Schweiger (vgl. T. R. 29. XL). Das B. T. brachte