Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1907)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 115 den A. C. zu duzen, ihnen auch niemals vorher Bierzipfel zu dedizieren. Unsere Semester - Antrittskneipe nahm, gleichwie unser Sommerfest in Littenweiler, bei einer bisher unerreicht grossen Anzahl von Gästen einen glänzenden Verlauf. Vertreten waren dabei: die Verbindung im K. J. V. Ivria, die bekanntlich in diesem Semester hier aufgemacht hat; ferner der Freiburger Synagogenrat, der bisher noch nie offiziell bei uns vertreten war, die Zionistische Ortsgruppe, der Jüdische Leseverein; vor allem auch unser K. V. Strassburg, mit dem wir wie bisher durch gegenseitige Teilnahme an offiziellen Veranstaltungen und Ausflügen herzliche Beziehungen aufrecht erhalten. Bbr. Ernst Wolff hielt die Tendenzrede. Am öffentlichen jüdischen Leben in Freiburg nehmen wir regen Anteil; wir besuchten offiziell eine Veranstaltung des „Hiltsvereins der deutschen Juden4', dem wir mit 20 Mk. als Mitglied beitraten, alle Vorträge in der Zionistischen Ortsgruppe, wo auch bereits 2 Bbr. Bbr. gesprochen haben (s. unten!), sind für die Aktiven offiziös. In Anerkennung unserer Verdienste um die zionistische Bewegung in Freiburg Hess uns die hiesige Ortsgruppe in das Qoldne Buch des N. F. eintragen und überreichte uns feierlich auf der Antrittskneipe das gerahmte Diplom. Die körperliche Ausbildung wird nicht vernachlässigt. Wir turnen 2 Stunden wöchentlich in einer vom Stadtrat gratis zur Verfügung gestellten städtischen Turnhalle und haben (offiziell für alle Aktiven!) 5mal wöchentlich den akademischen Fechtboden belegt. Auch die wissenschaftliche Tätigkeit war zufriedenstellend. Bbr. Ludwig Mayer sprach an einem für uns offiziellen Abend in der zionistischen Ortsgruppe über „Frankel, ein unbekannter Vorläufer des Zionismus"; an gleicher Stelle Bbr. Siegb. Wolff über „die Aufgaben des VIII. Kongresses". Beide Vorträge wurden von einer grösseren Corona beifällig aufgenommen; lebhafte Diskussionen folgten. Im Rahmen des historischen Kursus sprach Bbr. Erich Cohn über „Chassidismus" (mit Vorlesung aus Martin Bubers „Gesch. d. R. N."X Unser Plan, hier nach Berliner Muster einen „Verband Jüdischer Corporationen" zu gründen, ist noch nicht ausgeführt: die K. C. Verbindung „Ghibelinia", die in diesem Semester schwächer denn je ist, soll nur bei spontan gezeigter Bereitwilligkeit aufgenommen werden; mit der „Jvria" schweben noch die Verhandlungen. Was unser Verhältnis zu letzter Corporation betrifft, so gestaltet es sich nicht ganz so freundschaftlich, wie es im Interesse unserer gemeinsamen Arbeit und der Wünsche unseres Präsidiums liegt. Bei der hinreichend grossen jüdischen und auch zionistischen Arbeit, die unser Verein leistet, leuchtet uns die Notwendigkeit einer hiesigen zionistischen Corporation nicht ein, so dass ein, vielleicht unbewusstes, Gefühl der Konkurrenz nie ganz verschwinden wird. Gewisse, von Seiten der Jvria nicht ganz korrekte Vorkommnisse bei unserer Antrittskneipe, sowie eine ziemlich schroffe ablehnende Antwort der Jvria auf unsere Einladung zum Sommerfest, die aus