Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1907-07-01 · Heft 4 (Juli 1907) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 4 (Juli 1907)
Date
1907-07-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3537599-3537641-3537645--0618-3538690
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der jüdische Student. 105 sich fühlen und dies weiter entwickeln wollen, die aber keineswegs den Schritt zum Zionismus tun wollen und tun können, da die Kluft zwischen dem Milieu aus dem sie kommen und dem Zionismus zu gross ist, als dass sie mit einem Male beseitigt werden könnte. Sollen wir nun so extrem sein, diejenigen von uns zu weisen, die zwar auf positiv jüdischem Standpunkt stehen aber sich zum Zionismus zunächst noch nicht durchringen können? Darauf kann es nur die Antwort: „Nein" geben. Oerade heute ist der V. J. St. berufen, die dem Judentum noch nicht ganz Verlorenen um sich zu scharen und ihnen wieder zum Bewusstsein zu bringen, dass ein lebendiges Judentum vorhanden ist und sich mächtig fortschreitend weiter entwickelt. Aber man darf nicht erwarten, dass jeder, und möge er aus noch so assimilatorischer Familie stammen, nach einem Semester schon Zionist geworden ist. Bei denjenigen, bei denen diese Entwicklung so rasch geht, hält der Zionismus gewöhnlich nicht lange nach. Viel besser für den B. J. C. und den Zionismus wenige und wirkliche Zionisten, als viele Pseudozionisten. Ich behaupte sogar, es muss nicht jeder V. J. St.er unbedingt Zionist werden, es kann einer auch guter V. J. St.er sein, ohne Zionist zu sein. Wenn ich auch zugebe, dass die meisten, die wirklich tiefer über die modqrne Judenfrage nachdenken, zum Zionismus kommen, so kann ich mir gleichwohl denken, dass jemand aus politischen oder sonstigen Gründen den Zionismus für undurchführbar hält, und trotzdem kann derselbe ein sehr guter Jude und V. J. St.er sein. In manchen K. V. K. V. wo vielleicht zufällig einige Semester lang nur Zionisten aktiv waren, herrscht die Ansicht gegenüber anderen K. V. K. V., dass dort nicht alles so gut bestellt sei mit unserer Tendenz, weil da auch Nichtzionisten V. J. St.er sind. Und das bildet ja auch einen der Hauptreformprogrammpunkte der Makkabäa, dass sie nur Zionisten aufnimmt (Anm. d. Red.: Diese Angabe ist unrichtig. Ein Missverständnis muss hier vorliegen.) und dadurch glaubt, einen gewissen Elite-V. J. St. darzustellen, der mehr als die anderen K. V. K. V. erreichen könne. Gegen derartige Ansichten muss mit aller Energie Front gemacht werden. Es ist nicht so, dass jeder V. J. St.er Zionist werden muss, sondern wir können sehr wohl mit den Nichtzionisten im V, J. St. zusammenarbeiten an der Regeneration des Judentums, ohne beiderseitig irgendwie an unseren Anschauungen rütteln zu lassen. Das allerdings ist richtig, dass jemand, der dauernd gegen die national-jüdische Bewegung arbeitet, keinen Platz im B. J. C. hat. Ich habe im vorigen meine Anschauungen über das obige Thema dargelegt und hoffe, dass andere V. J. St.er, die anders denken, dasselbe tun werden. Nachbemerkung der Redaktion: Wir haben die Ausführungen vom Bbr. Arnbrunn zum Abdruck gebracht, weil es von Zeit zu Zeit sehr nützlich ist, einigen radikal-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.