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Der jüdische Student · 1907-06-01 · Heft 3 (Juni 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 3 (Juni 1907)
Date
1907-06-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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Der jüdische Student. Nationalität im S. C. In den „Akademischen Monatsheften'1 des Kösener S. C. wird im Anschluss an einen Artikel über die Corps und die Politik die Nationalität der S. C.er untersucht. Wir geben diese für uns sicher interessanten Ausführungen auszüglich wieder. Es heisst da: „Ich habe bei den folgenden Zusammenstellungen, ausser da, wo ich über den Einzellfall zufällig genauer unterrichtet war, nur diejenigen als Ausländer gerechnet, die sowohl der Name als auch der spätere Wohnort oder Titel als solche kennzeichnet. Nicht dahin gezählt habe ich dagegen die zahlreichen Kur- und Livländer, Deutsch-Schweizer, Deutsch-Österreicher, die bei den Kösener Corps aktiv waren, da ich ihnen, vielleicht mit wenigen Ausnahmen — eine deutsche Erziehung oder das Deutsche als Muttersprache voraussetzen zu können glaube. Unter diesen Voraussetzungen ergibt sich nun, dass die meisten auswärtigen Korpsstudenten England und Nordamerika gestellt haben, und zwar etwa — von einigen zweifelhaften Fällen abgesehen — jedes rund 36. Demnächst folgt Griechenland mit 20 und mit etwa ebensoviel die französische Schweiz, als deren Vertreter ich nur solche mit französischen Namen gelten lasse, die sich wieder in einem der französischen Kantone angesiedelt haben. Hiernach rangiert Rumänien mit 17, Kussland und Russisch-Polen mit 13, Brasilien mit 10, Frankreich und Belgien zusammen — eine Unterscheidung wage ich nicht — mit 9, Schweden, Ungarn und Italien (wenn die Träger italienischer Namen nicht zur Schweiz oder zu Österreich gehören) mit je 6, Spanien, Portugal und die Türkei mit je 2 Korpsburschen. Merkwürdig ist nun aber das Verhältnis der auf die einzelnen Jahrzehnte verteilten Zahlen von Ausländern zu einander. In der Zeit bis 1829 finde ich nur 8, bis 1839 etwa 24, bis 1849 etwa 22, dann aber erheblich zunehmend: bis 1859 etwa 38, bis 1869 sogar 46; dann wieder rapid abnehmend: bis 1879 noch 30, bis 1889 rund 10, von da ab bis 1904 gar nur 3! Diese Ziffern liefern einen deutlichen Beweis für das immer mehr auch im Kreise der Korps vordringende Nationalitätsprinzip. Anderseits aber auch ein Zeichen dafür, dass das Ausland sich mehr und mehr von einem Anschluss an deutschnationale Verbindungen zurückhält. Indessen, wenn auch wohl kein Korps heute einen Angehörigen eines fremden Volkes prinzipiell von der Aufnahme ausschliessen würde, so dürften doch bei der gegenwärtig vorherrschenden patriotischen Gesinnung der meisten, wenn nicht aller, Ausländer weniger geneigt sein, sich einem solchen Bunde zuzugesellen, als es früher der Fall war, wo der nationale Unterschied hinter der sonstigen Honorigkeit zurücktrat. Etwas anders ist es aber, wenn auch jetzt noch häufig Deutsch-Russen, Deutsch-Österreicher, Deutsch-Schweizer und Deutsch-Amerikaner trotz der äusseren Schranken ihre Zugehörigkeit zu dem allgemeinen Vaterlande durch den Beitritt zu den Korps des Kösener S. C. bekunden. So spiegelt sich auch in unserem Bunde ohne lärmendes Getue der innerliche Zusammenhang Alldeutschlands wieder."

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