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Der jüdische Student · 1907-06-01 · Heft 3 (Juni 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 3 (Juni 1907)
Date
1907-06-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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Der jüdische Student. 95 unserer Ansicht wird dieses sicher bewilligt. Es ist hier noch folgende Leipziger Nachricht der „Akad. Bl." des V. D. St. zu erwähnen: „Der Leipziger Studentenausschuss ist gegen die Stimmen des V. D. St. aus dem Verbände deutscher Hochschulen ausgeschieden." Genug hiervon. S. D. Studentenschaft und Politik. Kaum je hat sich die Studentenschaft mehr mit Politik befasst wie in den letzter? Semestern. Man rnüsste denn den Antiultramontanismus etc. als unpolitisch bezeichnen. Es gibt tatsächlich Menschen, Studenten, die dies Kunststückchen fertig bringen. Wie an anderer Stelle dieser Nummer schon erwähnt ist, nimmt der S. C. in seinem Verbandsorgan zur Frage der Politik Stellung. Das gleiche finden wir beim D. C. Was soll dann noch die blöde Forderung: Studenten dürfen keine Politik betreiben. Heute wollen wir zum Beweis dafür, dass in der Studentenschaft tatsächlich Politik getrieben wird, die Stellung zweier Verbände zur Sozialdemokratie bringer?. Bei der Untersuchung der Frage, ob Sozialdemokraten Mitglieder der Burschenschaft bleiben könnten, wird in einem Artikel der „A. D. B.¬ Zeitschrift" zunächst unterschieden, ob die betreffenden Mitglieder nationale oder internationale Ziele verfolgten. Trotz der internationalen Bestrebungen sei nationales Empfinden sehr wohl denkbar. „Mancher Sozialdemokrat ist nicht imstande, sein nationales Empfinden ganz zu unterdrücken/4 Mit dem monarchischen Gefühl sei es ähnlich. Mancher alte Burschenschafter habe aus seinem Anschluss an die sozialdemokratische Partei die Folgerung gezogen, aus der Burschenschaft freiwillig auszuscheiden. Es sei jedoch auch „der Fall denkbar, dass jemand der Partei angehört, ohne sein warmes Herz für das Vaterland erkaltet zu fühlen, und dass er, weil er nicht in Gegensatz zu den Grundsätzen seiner Burschenschaft getreten ist, sich berechtigt glaubt, Mitglied zu bleiben. Da die Burschenschaft für individuelle freiheitliche Entwicklung eintrete und kein Mitglied auf eine bestimmte Partei verpflichte, so dürfe sie nie und nimmer dem Beispiele des V. D. St. folgen, der im vorigen Winter den bekannten Politiker Naumann sozusagen hinauswarf, weil er freundnachbarliche Beziehungen zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie erstrebte. Im Gegensatz zu diesen Ausführungen, die man als „gut-burschenschaftlich" bezeichnen muss, stehen die Beschlüsse des „Rüdesheimer Verbandes deutscher Burschenschaften an technischen Kochschulen" auf ihrer Tagung vom 22.—27. Mai. d. J. Beschluss des Verbandes: „Der Rüdesheimer Verband deutscher Burschenschaften hält die Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei für unvereinbar mit der vaterländischen Gesinnung, die jede Burschenschaft von ihren Mitgliedern nach den Satzungen des Verbandes verlangen muss." Beschluss der Alten Herren: „Der Verband alter Burschenschafter hält die Betätigung ultramontaner oder sozialdemokratischer Bestrebungen für unvereinbar mit den Grundsätzen der deutschen Burschenschaft." Das ist doch Politik, ja mehr politische Festlegung. „Gut-burschenschaftlich" ist sie allerdings nicht. S. D.

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