Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Der jüdische Student. Lateinisch, Französisch, aber Hebräisch können sie noch immer nicht, obwohl sie darauf mehr Zeit verwendet haben, als z. B. auf Französisch, das in Bayern erst von der Untersekunda an gelehrt wird. Hebräische Orainatik wird überhaupt nicht getrieben oder sehr mangelhaft, vor allem deswegen, weil unsere jüdischen Lehrer von der Grammatik selbst vielfach keine Ahnung haben. Hier müssten nun unsere hebräischen Kurse einsetzen. Diese müssten veranstaltet werden nach Art der Methode Berlitz, so dass man gleich etwas hebräisch sprechen lernt, und dann müssten allmählich leichtere Stücke der Bibel durchgenommen und so systematisch von unten aufgebaut werden, wie es eben bei jeder anderen Sprache auch geschieht. Das wäre alles ganz schön in der Theorie. Aber jetzt kommt der Haken. Wo sind denn, so frage ich, in den IC V. K. V. die Leute, die das leisten können? Denn diese hebräischen Kurse hätten ja nur dann wirklichen Wert, wenn die Sache systematisch gehandhabt würde, d. h. diese Kurse müssten im ganzen B. J. C. einheitlich organisiert sein. Wie jeder, der in München z. B. das Fechten begonnen hat, in Berlin seine Kenntnisse weiter aufbauend auf dem Gelernten verbessern kann, ebenso müsste einer, der in München den ersten hebräischen Kursus besucht hat, dann im zweiten Semester in Freiburg den zweiten, in Marburg den dritten und in Breslau vielleicht den vierten mitmachen. Dies durchzuführen setzt aber voraus, dass wir in jedem K. V. genügend vorgebildete Leute haben, die dies nach einheitlichem System durchführen. Das ist aber nicht der Fall, infolgedessen scheitern diese Pläne an der praktischen Undurchführbarkeit. Allein es wäre schon etwas gewonnen, wenn nur in den Vereinen, v/o die Möglichkeit vorhanden ist, hebräischer Unterricht erteilt würde. Aber die Forderung Ks., jeder m u s s zwei Jahre lang hebräischen Unterricht treiben, ist zwar ideal, aber praktisch heute noch wegen der geringen Einheitlichkeit der K. V. K. V. und vor allem wegen der jeweils ganz verschiedenen Zahl der anwesenden Bbr. Bbr. in den einzelnen K. V. K- V. undurchführbar. Und nun komme ich zur zweiten Forderung Ks.: zur nationalökonomischen Ausbildung, die wir unseren Bbr. Bbr. gewähren sollen. Theoretische Nationalökonomie, Geld-, Bank- und Börsenwesen, Genossenschaftswesen, Statistik und Staatsrecht, all das sollen wir unseren Mitgliedern innerhalb einiger Semerster beibringen; also das, wozu derjenige, der Nationalökonomie als Fachstudium erwählt hat, 6 Semester braucht, das sollen wie in zwei bis drei Semerstern lehren. Ich meine, diese Forderung geht denn doch zu weit. Der Zionist und der Bbr., der eben tiefer in das Wesen des Zionismus und seine wirtschaftliche Möglichkeit und Notwendigkeit eindringen will, wird sich allerdings notwendigerweise mit nationalökonomischen Dingen befassen müssen. Aber wir können vom V. J. St. als solchem nicht verlangen, dass er das Konglomerat von Mitgliedern, das sich in den jeweiligen Semerstern zusammenfindet, bestehend aus Juristen, Medizinern etc. noch nebenbei zu nationalökonomisch geschulten Leuten mache. Und