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Der jüdische Student · 1907-05-01 · Heft 2 (Mai 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 2 (Mai 1907)
Date
1907-05-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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Der jüdische Student. 61 geben als einen Gott. Und den habe ich verloren. Und so viele mit mir. Und mit Ihm auch den Zusammenhang mit der ganzen Vergangenheit, das Verständnis für die eigenen Väter. Was soll ich Ihnen sagen? Sehe ich Bilder meiner eigenen Ahnen an, mit den gottbegeisterten Zügen, .und denke daran, dass diese Menschen jederzeit bereit gewesen, freudig in den Tod zu gehen für Dinge, die ich heute mit vollster Gleichgültigkeit ausser Acht lasse, dann überkommt mich oft ein Schauder und ich komme mir vor wie ausgesetzt auf eine öde Meeresküste, ohne Hoffnung je den Zusammenhang mit den entschwundenen Gefährten zu rinden. Wohl dem, der sich darüber hinwegtäuscht. Mir sind jetzt die Augen geöffnet. Ich weiss, dass ich zeit meines Lebens haltlos herumbalanzieren werde zwischen jüdischem Gefühl und moderner Kultur, weiss, dass es hier keine Versöhnung gibt. Und drückte nochmals meine Hand und ging. — Ob er wohl jemals glücklich wird? — * Es ist eine Tragik ganz anderer Art, die über diesen jüdischen Studenten liegt. Es ist die Tragik der Selbsttäuschung, auf die in jedem Moment die Selbstbesinnung und Ernüchterung folgen kann. Aber weil es eine Selbsttäuschung ist, darum ist es doppelt gefährlich. Gewiss ist es Unrecht, einen Nachtwandler auf dem Dache anzurufen. Wenn aber zu befürchten steht, es werden Gesunde, unwissend, dass dies ein Krankheitszustand ist, darin im Gegenteil eine besondere Fertigkeit, einen auszeichnenden Vorzug erblicken und ihrerseits nun beginnen, nach Kräften zu wetteifern, und ihr Auge schützet doch nicht der täuschende Schleier der Maja, und sie werden, vom Schwindel erfasst, rettungslos In den Abgrund sinken: Dann ist es Zeit, ja höchste Zeit, den Warnruf zu erheben, unbekümmert, ob nicht vielleicht einer von Jenen es hört, dann gilt es, den Mut zu haben zu dem Egoismus, der sich sagt: Erst die Gesunden, dann die Kranken. — C'est la guerre. —" Dann kommen noch einige Abschnitte, die nur Keilphrasen für die V. J. A. gewidmet sind, auf dass ja kein orthodoxer Student in die Nachtwandlerverbindung eintrete. „Jawohl, V. J. A. sei's Panier! Fort mit der Halbheit, fort mit der Scheidung von dem, was zusammen gehört. Kein Volkstum ohne Judentum, kein Körper ohne Geist." „C'est la guerre." Wenigstens offen ist Herr Breuer, wenn er auch seinen Namen nicht nennt. Doch roch eins. Unser grösster Nachtwandler ist Theodor Herzl. Und wir seine „Partisanen" verbitten uns, dass Herr Breuer ihn lobt. Denn auch ihm gilt: C'est la guerre. Wahrlich Leute dieses Schlages, solche V. J. A.er haben durchaus kein Verständnis für nationales Judentum. Wer von den orthodoxen Juden sich nicht dazu erheben kann, dass auch Atheisten und Freidenker Volljuden sein können, der passt tatsächlich nicht zu uns. Wenn es solche auch in unseren Reihen gibt — ich glaube es nicht — dann sollen sie so ehrlich und auch so konsequent wie Herr Breuer sein. Sein Schlachtruf sei auch der ihre: „C'est reSuerre." Ich habe doch wohl niemand getroffen?! — S. D.

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