Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1907)
- Date
- 1907-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 55 habe; schliesslich ergibt doch das viele Kleine das eine Grosse! Bedeutungsvoller wurde dieser Einwand, als er sich zu einem Protest gegen jegliches „Programm" in unserer Arbeit verdichtete. Gewiss, ich hasse auch programmatische Wichtigtuerei und weiss, dass unter Umständen trotz des feinsten Programms nichts geleistet und ohne eins ausserordentlich viel geleistet werden kann. Aber ich glaube doch, dass das mehr für den Einzelnen zutrifft: der Führer einer Masse muss sich klar machen, was er erreichen will, in welcher Zeit und wie! Und schliesslich sind meine Anregungen nicht viel mehr als die Skizze eines Programms! — Unangenehmer schon berührte es mich, dass eine Anzahl von Rednern, und leider gerade von solchen, die zu den Führern im V. J. St. gehören, sich mit dem inneren Stand des V. J. St. zufrieden erklärten. Diese Selbstberäucherung riecht, finde ich, übel. Sie wird denn auch sofort verständlich, wenn ich hinzufüge, dass mit den augenblicklichen inneren Verhältnissen in erster Reihe so sehr zufrieden waren einige alte Herren des Vereins, die sich im Semester herzlich wenig um derartige interne Fragen eingehend bekümmert haben! Keiner von ihnen hat, wie ich, die meisten Fuxen- und Burschenexamina mitgemacht! Das mag denn auch als Erwiderung auf jene Selbstzufriedenheit genügen, die ja übrigens auch im letzten Semesterbericht des V. J. St. Berlin ihren Ausdruck gefunden hat (vergl. „Der Jüd. Stud." IV, 1, 8. und Anm. der Red.). — So bleibt denn im Grunde nur ein Thema der Diskussion als ernst und denkenswert bestehen. Das Niveau des Vereins und seiner Mitglieder könne nicht durch neue wissenschaftliche Kurse und nicht durch Vertiefung des Wissens überhaupt gehoben werden, sondern vor allem durch Vertiefung und Verinnerlichung des speziellen V. I. St.-Gefühls und das wieder durch Schaffung und liebevolle Pflege veredelter und veredelnder Freundschaft aller Bundesbrüder mit allen! „Wie Kletten müsst ihr alle, einer am anderen, hangen und haften" wurde gesagt. Damit wurde eine „prinzipielle 2. Prüfung (Burschung). 4. Die Meldung zur zweiten Prüfung hat auf Grund der Genehmigung des I. C., von der bei der Bewerbung Mitteilung zu machen ist, 14 Tage vor dem Prüfungstermin zu geschehen. Mit der Meldung ist eine schriftliche Arbeit einzureichen. Diese soll eines der zu Anfang des Semesters von der wissenschaftlichen Kommission bekannt gemachten Themata behandeln, kann aber auch ein selbständiges Referat aus Fuchsenstunden oder Kursen darstellen. 5. Die Prüfung umfasst: a) Geschichte der Juden im 19. Jahrhundert. (Graetz 11. Band). b) Soziale und kulturelle Lage der Juden. (Die Judenfrage). c) Tendenzfragen. d) Studentisches. 6. Die Prüfung soll im allgemeinen am Ende des zweiten Semesters stattfinden und setzt das Bestehen der ersten Prüfung voraus. Den von auswärts kommenden V.-I.-St.-ern wird die erste Prüfung erlassen, jedoch werden diese bei der Prüfung in der gesamten jüdischen Geschichte geprüft.....