Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 1 (April 1907)
- Date
- 1907-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Der jüdische Student. Verein Jüdischer Studenten, Berlin. Bezüglich des Auftretens unseres Vereins nach aussen waren die Gründung der „Vereinigung Jüdischer Korporationen" und die Lesehallenwahlen die wichtigsten Begebnisse. Um kurz die Gründe für die Schaffung der V. J. K. zu charakterisieren: Berlin stand in diesem Winter im Zeichen der WB. J. C.¬ Politik" — schon vor Gründung des B. J. C.-Präsidiums. In diesem Sinne hatten wir A. H. Erich Rosenkranz bei Semesterbeginn die ausschliessliche Regelung unseres Verhältnisses zum Zentralverein übertragen. Im Einvernehmen mit A. H. Rosenkranz legte Bbr. Erich Herzberg dem Konvent die Möglichkeit eines Zusammengehens mit den anderen jüdischen Korporationen — insbesondere mit der dem Zentralverein sehr nahestehenden „Sprevia" — vorzüglich in Anbetracht der bevorstehenden Lesehallenwahlen als wünschenswert dar. Herzberg wurde mit den Vorverhandlungen betraut — nach anfänglicher Weigerung der „Sprevia" gelang es, die V. J. K. zu konstituieren. Es gehören zu ihr: die Verbindung im K. C. Sprevia (als älteste Korporation in diesem Semester präsidierend); V. J. St., Berlin; V. J. St., Charlottenburg; Verbindung mit K.C.-Tendenz „Hevellia" an der Hochschule zu Charlottenburg; die VerbindungimK.Z.V. „Hasmonaea"; die freieVerbindung„Dahlemia"; der V.J. St. „Maccabaea". Die Aufgabe der V.J.K, ist im wesentlichen folgende: Trotz bewusster Tendenzverschiedenheit liegt es im Interesse der Berliner Jüdischen Korporationen, die Berührungspunkte in den Bestrebungen der verschiedenen Verbindungen zu erkennen, um dadurch ein geeintes Auftreten der Jüdischen Korporationen zu erreichen. Die Lesehallenwahlen, die den praktischen Anlass zur Gründung der V. J. K. gegeben hatten, fielen insofern günstig aus, als wir gegen zwei Kandidaten der V. J. St. im Vorjahre jetzt drei Vertreter der V. J. K. im Direktorium der A. L. H. haben: E. Herzberg (V.J. St., Berlin), Herr Schlesinger-Sprevia (I. Schriftführer der A. L. H.) und Benno Hofstein, für den infolge seiner schweren Erkrankung Siegfried Moses in das Direktorium eintrat. Was unseren Verkehr mit anderen Korporationen betrifft: Wir brachen mit der freien Burschenschaft „Neo-Silesia" *), die auf unseren Vorschlag, innerhalb einer vierwöchentlichen Frist gegen uns anzutreten, nicht reagierte, jeden studentischen Verkehr ab. Damit erledigte sich auch eine Kontrahage, die Bbr. Ascher in Greifswald mit einem Neo-Silesen hatte. Eine Forderung unseres Fuchsen Katz mit einem Beleger des Korps „Marchia" — eine antisemitische Angelegenheit — kommt erst im Oktober zum Austrag. Der Austrag einer Chargiertensuite gegen einen Angehörigen der A. V. „Philia" sehen wir entgegen. Die Forderung ist s. s. 30 bewilligt, die Mensur steigt 6 Wochen nach den Ferien. Bbr. Fürst tritt Ende April gegen einen Philier an**). *) **) Anmerk. d. Redaktion. „Neo-Silesia" und „Philia" sind jüdische Assimilanten-Verbindungen.