Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (Dezember 1905)
- Date
- 1905-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537636-3537640--0507-3538576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
134 in Leipzig eine methodische Anleitung zum Studium der deutschen Geschichte zu geben. An der Drucklegung selbst verhindert, hat Lamprechts Assistent, von Kötschke unterstützt, das Manuskript zur weiteren Bearbeitung und Vervollständigung übernommen und nun einem grösseren Publikum durch Drucklegung zugänglich gemacht. Jedem angehenden Historiker kann nur dringend die Lektüre dieses Büchleins ans Herz gelegt werden. Er wird auf den Fehler und seine Folgen hingewiesen, sich zur Kenntnis der Vergangenheit alsbald auf ein modernes darstellendes Werk zu stürzen, statt das Wesen früherer Zeiten aus den Quellen der Zeit selbst verstehen zu lernen. Welche Quellen sollen nun aber gelesen werden, ihre Zahl ist so gross? Ein zweites Kapitel gibt eine kurze Übersicht über diejenigen Quellen und Denkmäler, deren Kenntnis zum Verständnis deutscher Entwicklung notwendig ist. Der Eingeweihte weiss, wieviel auf dem Gebiete der Quellenlektüre gesündigt wird. Die Vorlesungen über Quellenkunde werden gemeinhin erst in älteren Semestern gehört. So greift ein strebsames junges Semester gar zu häufig in der Auswahl seiner Lektüre fehl. Man hat schon erlebt, dass sehr berühmte Quellen den Kandidaten erst bei der Paukerei zum Examen bekannt wurden. Wer in Köhlers Anleitung die Bibliographie der Quellen benutzt, geht sicher, dass ihm keine bedeutende Quelle entgeht. Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen" werden hier zum ersten Male in der Literatur — damit wohl für immer— als Grundquelle angegeben. Es folgen weitere Anleitungen über den Gebrauch von Handbüchern. Die zuverlässigsten (Gebhardt, Schröder u. a.) werden namhaft gemacht. Was sind Wattenbach, Dahlmann-Waitz, Geschichtsschreiber der deutschen Vergangenheit? Wie muss der Historiker lesen und welche Methoden sind anzuwenden, um aus der Lektüre ein deutliches Bild der Vergangenheit zu gewinnen? Über alle diese Dinge wird der Anfänger aufgeklärt, damit er nicht ohne Kompass auf dem Meere der Geschichtsliteratur herumirre. Die Knappheit und geradezu klassisch klare Formulierung der einzelnen Weisungen macht Köhlers Büchlein nicht nur dem angehenden Fachhistoriker, sondern jedem Freund deutscher Geschichte wertvoll. J. ZI. GD- Druck von Paul Raatz & Co., Berlin SW. 48.