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Der jüdische Student · 1905-12-01 · Heft 4 (Dezember 1905) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 4 (Dezember 1905)
Date
1905-12-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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126gefährlichen und missliebigen russisch-j üdischen Studenten (Zwischenruf: „Also Judenhetze") wolle man sich vom Halse schaffen. Diese Ausführungen wurden durch ungeheures Beifallstrampeln belohnt. Einem anderen Redner, der den deutschen Studenten keine höhere Sittlichkeit als den Russen zusprechen konnte und vor allem betonte, dass die Sittlichkeit sich ausser auf das Geschlechtsleben auch auf den Alkoholismus beispielsweise beziehe, wurde das Wort entzogen; lautes Gelächter und starkes Scharren war sein Lohn. Das ist akademische Freiheit. Die Resolution wurde mit erdrückender Majorität angenommen, nur 18 Herren wagten dagegen zu stimmen. Diese Behandlung der „Schnorrer und Verschwörer" wird der Jenaer Studentenschaft nicht zur Ehre gereichen, aber sie entspricht der „akademischen Freiheit". Und die deutsche Studentenschaft der anderen Hochschulen wird wie im Kamiif gegen die konfessionellen Verbindungen dem Beispiel Jenas wie einst zur alten Burschenzeit folgen, denn so gebietet es die „akademische Freiheit". München. Am 8. Oktober 1905 hat sich in München eine freie Verbindung „Jordania" aufgetan. Sie steht auf dem Princip der unbedingten Satisfaktion. Die Farben sind: gold-blau-gold; Fuxenfarbe: gold-blau. Bei offiziellen Gelegenheiten wird blaues Band mit goldenem Rand und goldenem Davidstern getragen. Die Verbindung verfolgt zionistische und nationaljüdische Bestrebungen. Wien. Im Oktober 1905 ist lii Wien ein akademischer Verein „Jüdische Kultur4, gegründet worden, der sich die Pflege jüdischer Kultur, speziell der jüdischen Sprache und Poesie zur Aufgabe gemacht hat. Russland. Hinsichtlich der Zulassung der Juden zum U n i - versitätsstudium ist von dem Professorenconseil der Petersburger Universität am 19. September ein Beschluss von prinzipieller Bedeutung gefasst worden. Der Rektor, Professor Borgmann, legte nämlich dem Conseil die Aufnahmegesuche derjenigen Juden vor, die im Hinblick auf das das prozentuale Verhältnis der jüdischen Studenten nominierende Gesetz von der Universität zurückgewiesen sind. Der Professorenconseil sprach sich für die Notwendigkeit aus, ohne Ausnahme sämtliche jüdische Aspiranten aufzunehmen. Hierauf versprach der Rektor, die von ihm abhängenden Massnahmen zur Durchführung dieses Beschlusses unverzüglich zu ergreifen. — Dieser Beschluss erhielt die Sanktionierung der zuständigen Obrigkeit, doch nur für dieses Semester. Demgemäss wurde gestattet, sämtliche jüdischen Studenten, die sich zur Aufnahme an die Moskauer und Petersburger Universität gemeldet haben, unbeanstandet aufzunehmen. Die Zahl der jüdischen Studierenden in Russland wird auf Grund amtlichen Materials in dem von der Jewish Colonization Association herausgegebenen Buche: »Materialien zur ökonomischen Lage der Juden in Russland«, (Petersburg 1904. Bd. II S. 364) folgendermassen angegeben: Es studierten an sämtlichen Universitäten zusammen: im Jahre 1880: 556 Juden 6,8% aller Studierenden „ 1886: 1232 „ 14,8% „ „ 1899: 1757 „ 10,9% „

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