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Der jüdische Student · 1905-12-01 · Heft 4 (Dezember 1905) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 4 (Dezember 1905)
Date
1905-12-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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-,-.-1-25 Studentisches. Charlottenburg, 28. Nov. 1905. Endlich scheint in Charlottenburg die Gründung eines neuen Ausschusses gesichert zu sein. Am 25. November wurden in einer Studentenversammlung die neuen Statuten besprochen und von dieser genehmigt und der „Verband der Studentenschaft" gegründet. Die Genehmigung durch Rektor und Senat ist im voraus zugesichert worden. Dies Verhalten der akademischen Behörden ist unverständlich, nachdem diese noch in den letzten Wochen das Wort „Ausschuss" vermieden wissen und den Verband nur mit der Bezeichnung: „Nichtkonfessioneller Verband" genehmigen wollten. Der neue Verband schliesst selbstverständlich auf Grund der sogenannten „akademischen Freiheit" die politischen und konfessionellen Vereine aus, macht aber trotzdem Anspruch auf die Rechte eines Gesamtausschusses. Noch vor kurzem wurde die Vertretung der Studentenschaft aufgelöst, weil sie die widersprechenden Funktionen einer Gesamtvertretung und Leitung der antikonfessionellen Studentenpolitik zu vereinigen suchte. Heute scheinen die akademischen Behörden in Charlottenburg dem neuen Verbände die weitestgehenden Rechte einräumen zu wollen, und so der Vernunft, dem Rechte und der Freiheit zum Hohne dem Drängen der Majorität der Studentenschaft nachzugeben und vor der reaktionären sogenannten „akademischen Freiheit" die Waffen zu strecken. Im Zeichen der „akademischen Freiheit". Zur selben Zeit, wo im Osten Europas die grösste Judenmetzelei inszeniert wird, die das jüdische Volk nach den Grausamkeiten des düsteren Mittelalters zu erdulden hatte, zur selben Zeit künden die deutschen Musensöhne Jenas ihren armen gehetzten jüdischen Commilitonen aus Russland das Gastrecht. Ist das die vielgerühmte germanische Gastfreundschaft? Ist das das Mitgefühl mit den Unterdrückten, die grosse Menschenliebe, die dem Germanen so eigen sein soll? Nein, die deutschen Studenten, sie haben die herrlichen Charakterzüge nicht, die die Dichter dem Germanen beilegen. Den nationalen Chauvinismus haben sie sich bewahrt und ihn ihren jüdischen Commilitonen gegenüber stets in der schärfsten Weise durchgeführt. In Versammlungen, Resolutionen und Eingaben hat man seinem Unmut gegen die russischen Studierenden Luft gemacht. Wir führen hier aus der „Tägl. Rundschau" folgende Stelle aus einer Eingabe an: „Ferner wird ersucht, den Ausländer mindestens ein so hohes Studiengeld bezahlen zu lassen, dass er dem Staate keine Kosten verursacht. Korporativer Zusammenschluss der Ausländer möge verboten werden. Ferner möge ihnen ein sittlich einwandfreier, eines Studenten würdiger Lebenswandel zur Pflicht gemacht werden. Auf Deutsche fremder Staatsangehörigkeit sollen diese Bestimmungen keine Anwendung finden." — Wahrlich, diese Eingabe ist recht im Sinne der „akademischen Freiheit" gehalten, Das Charakteristische ist, dass die Vorwürfe und Beschuldigungen der Ausländer jeder tatsächlichen Grundlage entbehren, wie Herr Geheimrat Dr. Linck, Mitglied des Senates, in der Versammlung vom 9. November festgestellt hat. In derselben Versammlung betonte ein Redner, es handle sich keineswegs um Ausschliessung der Ausländer von den deutschen Universitäten; nur die-

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