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Der jüdische Student · 1905-12-01 · Heft 4 (Dezember 1905) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 4 (Dezember 1905)
Date
1905-12-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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100- Die Vorgänge bei der Gründung des neuen Hörervereins haben nun A. H. Biram in seinem Artikel „Der V. J. St. und die Theologen" zu scharfem Tadel veranlasst (vorige Nummer dieser Zeitschrift). Er spricht sich über diese Veranlassung indes nicht klar aus, und der unkundige Leser kann infolgedessen schwer erkennen, ob er nur allgemeine Betrachtungen vor sich hat, oder ob -Biram an besondere Ereignisse gedacht hat. Die Unbestimmtheit in diesem Teil des Aufsatzes enthebt auch uns der Pflicht, auf die persönlichen und sachlichen Verhältnisse an der Lehranstalt näher einzugehen; wir wenden uns lieber zu Birams Schilderung des Rabbinerstandes von heute und werden uns am Schluss mit der Frage nach dem Verhältnis zwischen V. J. St. und Theologen zu beschäftigen haben. Biram hat die Gewohnheit angenommen, die Welt durch eine graue Brille zu betrachten. Darum erscheint ihm vieles als öde und trostlos, was andere Augen als frisch und zukunftsreich ansehen. Seine Art, Menschen und Dinge aufzufassen, hat nun auch über den Rabbinerstand (wie er ihn sieht) einen trüben Schleier geworfen, der in Wahrheit nicht besteht, und der vor allen Dingen immer wieder hinweggenommen werden kann, wenn wir ernsthaft um die Besserung unleidlicher Zustände uns bemühen. Solche Bemühung setzt aber vor Allem Lust und Liebe zur Sache voraus, und deshalb bedaure ich jenen Artikel, nicht wegen seiner sachlichen Irrtümer und Unrichtigkeiten, sondern vor Allem, weil er den Einen oder den Andern mit jenem entsetzlichen Trübsinn anstecken könnte, der für jedes kräftige Leben der Tod ist. In seltsamem Gegensatz zu der tristen Verzagtheit gegenüber den Zuständen und Aufgaben der Gegenwart stehen die vielen selbstbewusst absprechenden, aber unrichtigen Urteile des Artikels: „Die ,Seminare4 von Berlin und Breslau, wird uns gesagt, die mit Jeschibaorganisation auch die Erziehungsideale und Wissensinteressen der Jeschiba vertreten, können für den V. J. St., der die Freiheit der Persönlichkeit fordert, ja auch nur in einzelnen selbständigen Individuen in Betracht kommen." Hier ist so ziemlich jedes Wort eine Unrichtigkeit und ich bedauere, es sagen zu müssen, eine Ueberhebung zu gleicher Zeit, denn diese Seminarien sind keine Jeschiboth, und sie hindern nicht die freie Ausbildung der Persönlichkeit. Wenn die Seminaristen nicht V. }. Ster. werden, so geschieht dies nur deshalb, weil sie bereits Jahrzehnte vor der Begründung des V. J. St. eigne Vereine hatten.

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