Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1905)
- Date
- 1905-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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66 Türkei und ihrer politischen und rechtlichen Verhältnisse und noch vieles mehr. Was uns daran noch fehlt, und wie nötig wir es brauchen, hat Motzkin in seinem ernsten und treuen Palästina-Referat auf dem zweiten Kongress gezeigt. Und dass es, abgesehen von der Jüdischen Statistik — hier haben die Veröffentlichungen des Vereins für Jüdische Statistik und vor allen Dingen die umfangreichen Publikationen der Ica über die jüdische Bevölkerung Russlands schon manches gebessert — in den letzten Jahren nicht wesentlich besser geworden ist, wissen wir alle. Die wissenschaftliche Behandlung des Zionismus hat aber noch ganz andere, und für einen Teil von uns wichtigere Aufgaben zu erledigen. Gewiss macht es uns sehr unzufrieden, dass wir von Palästina immer wieder nur in den allgemeinen Ausdrücken sprechen müssen, aber noch unzufriedener in unserem Zionismus selbst und so untauglich für alle Agitation, macht uns die Unklarheit in einer ganzen Reihe grosser Probleme, die nicht allein für die geborenen Skeptiker — sie sind unter uns nicht zu selten — sondern für alle ernsteren Zionisten Ursache schwerer Stunden sind. Bedürfnis für ein Organ, das in ernster Weise zionistische Probleme diskutiert, liegt also hinreichend vor. In dem vorliegenden Werke haben nun Männer mitgearbeitet, wie Matthias Acher, der uns mit allem, was er schreibt, etwas zu sagen hat, der noch immer unser einziger Theoretiker ist, Max Nordau, der in einzelnen aphoristisch hingeworfenen Gedanken durchaus theoretisch nutzbringend ist, Martin Buber, Zangwill und mancher andere — auch Nossig darf erwähnt werden. Dass wir also so manche Belehrung zu erwarten haben, ist wohl selbstverständlich. Ob aber bei der überwiegenden Zahl untergeordneter Mitarbeiter — der Artikel über „Vegetarismus und Zionismus" auf nicht minder als 26 Seiten streift für meine Begriffe an das Pathologische — im ganzen der Zweck des Buches als erreicht angesehen werden darf, bleibt mir fraglich. Um ein solches Werk — wer möchte behaupten, es sei schon die Möglichkeit dafür vorhanden, — wirklich nutzbringend zu gestalten, gehört wohl auch ein geeigneterer Herausgeber, als sich Lazar Schön in seinem Geleitwort und seinem Artikel über Ostafrika erweist. Das ist wirklich kein wissenschaftlicher Zionismiis, und fraglich bleibt es noch, ob es überhaupt Zionismus ist. Für das beigegebene Bild Nathan Birnbaums sind, wie ich, wohl alle seine Verehrer recht dankbar, ob aber die Wiedergabe von Porträts aller möglicher, teilweise recht unbedeutender Leute so notwendig war, darf man wohl bezweifeln. Ein Periodikum zur Diskussion und Begründung zionistischer Fragen ist uns wohl nötig, nur darf man nicht glauben wollen, wir wären imstande, — und sei es auch nur alle Jahre — so umfangreiche Publikationen wie die vorliegenden hervorzubringen, wenn anders sie wirklich wertvolles Material enthalten sollen. ab.