Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1905)
- Date
- 1905-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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46---- blicklich Herrn Stojolan anbetrifft, so ist er nicht tolerant. (Unruhe.) Sei es: allein dann begreife ich seine Logik nicht: Entweder unsere Vorfahren hatten Recht, wenn sie tolerant waren, öder wir haben Recht, wenn wir intolerant sind, und ist das letztere der Fall, dann begreife ich nicht, wie Herr Stojolan unsere Vorfahren loben kann. Nur auf eine Weise kann man diesen Widerspruch erklären: Jeder intolerante Mensch fühlt im Grunde seines Herzens, dass er eine Ungerechtigkeit begeht, und strengt sich an, seine Gestalt in ein anderes Licht zu setzen: Darum hat der intolerante Herr Stojolan von heute mit der Toleranz seiner Vorfahren von vor 300 Jahren paradiert. Aber ich sehe nicht ein, was dies mit dem in Frage stehenden Gesetz zu tun hat. . . . Meine Herren, man hat bei dieser Gelegenheit die Fremdenfrage wieder aufgerollt und die Judenfrage aufs Tapet gebracht. Ist heute der Augenblick, diese Frage zu behandeln, ist der Moment gekommen, ihr eine Lösung zu geben? Ich weiss es nicht. Aber die Frage ist gestellt worden: ich beginne also von ihr zu sprechen. . . . Es hat eine Zeit gegeben, wo man diese Frage sehr weitgehend diskutiert hat. Seitdem haben sich die Leidenschaften abgekühlt, und ich befinde mich heute in grösserer Gemütsruhe; ich spreche nicht mehr in der siedenden Atmosphäre jener Zeit und wenn ich damals — als man drohte, mir das Haus anzuzünden und mich selbst am nächsten Tage umzubringen — den Mut gehabt habe, in der Art zu sprechen, die Sie ja kennen, so können Sie sich vorstellen, dass ich heute mit demselben Mute sprechen werde. Was habe ich damals gesagt? Ich habe gesagt, dass das proportionale Verhältnis zwischen Junden und Rumänen augenscheinlich zu gross ist. Eine wie gute Meinung wir auch immer von dieser Rasse haben könnten, welche Bewunderung wir auch immer ihrer Mässigkeit, ihrem Familienleben, ihrem Sparsamkeitssinn und ihren geistigen Qualitäten entgegenbringen, — es ist evident, dass dieses Element augenscheinlich fremd bei uns ist, und dass in einem solchen Verhältnis für uns bis zu einem gewissen Punkte eine Gefahr besteht. Das habe ich damals anerkannt und das erkenne ich noch heute an. Das was uns trennt, das ist, dass Sie, meine Herren, dem Uebel entgehen wollen, indem sie Massregeln gegen die Juden ergreifen, während wir unsererseits sagen: Das einzige