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Der jüdische Student · 1904-09-01 · Heft 3 (September 1904) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 3 (September 1904)
Date
1904-09-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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94 sie in einer Verpflanzung ans den Ghettis Busslands nach denen von London oder New York nicht bestehen kann. Durch die Einschränkung der Einwanderung ist eine Lösung in den Ländern des jetzigen Aufenthaltes noch mehr erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht. Nur eine rationelle Auswanderungspolitik kann Abhilfe schaffen; die jüdische Wohltätigkeit versagt hier. So waren die vorzüglich organisierten "Wohltätigkeitsinstitutionen der freigebigen und keineswegs; engherzigen Londoner jüdischen Gemeinde der Einwanderung gegenüber fast ratlos; sie standen vor Aufgaben, denen sie ihrer Natur nach nicht gewachsen sind. Muss da noch ausgeführt werden, wo hier eine Lösung zu erwarten ist? BÜCHERSCHAU. Palästina, Reisebilder von Adolf Friedemann und Hermann Struck. Berlin 1904 bei Bruno Cassirer. 134 Seiten. In diesem Werke liegt uns das Tagebuch vor, das der Mitbegründer unseres Vereins, Dr. Adolf Friedemann, auf seiner gemeinschaftlich, mit dem bekannten Zeichner und Radierer Hermann Struck unternommenen Palästinareise geführt hat. Struck hat das Buch mit einer grösseren Anzahl an Ort und Stelle aufgenommener Zeichnungen und Radierungen geschmückt, die im Drucke leider nicht alle ihrem vollen Gehalte nach zur Geltung kommen. Das Buch selbst ist ein gutes Buch. Die Reise war sichtlich keinen tiefer gehenden Studien gewidmet, sondern unternommen, um einen möglichst umfassenden Eindruck von Land und Leuten unserer Heimaterde zu gewinnen. Infolgedessen liegt der Wert des Buches nicht etwa in sorgfältig gesammeltem wissenschaftlichen Material — obgleich es durchaus nicht arm an Zahlen und Tatsachen ist — sondern in der ausserordentlich lebendigen Schilderung von Erlebnissen und Eindrücken, die dem Leser einen wahren Genuss bereiten. Noch eins ist zu loben: Es ist ein jüdisches Buch. Der Verfasser ist nicht allein mit dem Bädeker gereist, sondern auch mit der Taschenbibel. Und es scheint, als habe ihm diese Begleiterschaft das Land noch lieber gemacht, und — wer weiss? — vielleicht auch das alte Buch selbst. Mich persönlich hat diese historische und nationale Betrachtung des Landes besonders herzlich berührt. Es ist sicher das Beste daran. Andere mögen anderer Meinung sein. e. c.

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