Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1904) (Fortsetzung)
- Issue
- Heft 3 (September 1904)
- Date
- 1904-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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—--9a Die Einwanderermassen bedeuten sicherlich für beide Länder in wirtschaftlicher Hinsicht keinen grossen Gewinn; wohl aber muss der Zustrom ruhiger, den Gesetzen gehorsamer, gesunder, anspruchsloser, strebsamer und arbeitswilliger Elemente erwünscht sein, vorausgesetzt allerdings, dass der Anstauung ein Ende gemacht würde, und einer planmässigen Verteilung in die Provinzen, vor allem aber aufs Land, Platz machte; in Amerika beginnt man jetzt die Abwanderung von den Hafenstädten zu organisieren und zu fördern. Für die Eingewanderten bedeutet ihre jetzige Lage sicher ein Fortschritt gegen die Verhältnisse, denen sie entflohen sind. Im Besitze politischer Freiheit und wirtschaftlicher Bewegungsmöglichkeit können sie trotz des schweren Daseinkampfes sich durchschlagen, nicht mehr der Spielball und die Geldquelle habsüchtiger Polizeikreaturen. Sie können ihren Kindern eine leidliche Erziehung angedeihen lassen und ihnen die Möglichkeit schaffen, sich in eine höhere soziale Stellung aufzuschwingen. Aber die Aufnahmefähigkeit für mittellose Einwanderer ist sowohl für London wie für New York eben auch nur beschränkt; die Grenze ist vielleicht bald erreicht, und da setzt die Gesetzgebung ein. Es möchte scheinen, als ob man jetzt, nachdem die englische Regierung den Gesetzentwurf über die Beschränkung der Einwanderung zurückgezogen hat, von einer Antiemigrationspolitik nicht reden dürfte. Die unfreundliche Stimmung, der die allerdings sehr harte Bill begegnete, wird keine Aenderung in der Einwanderungspolitik der englischen Regierung herbeiführen. "Wir sehen es an Amerika, wo der Einwanderungskommissiar Mr. William Williams vor seinem Amtsantritt erklärte, ohne Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen durch strenge Handhabung der bisherigen, die Einwanderung einschränken zu wollen. Dieses Versprechen hat er gehalten. So sind im Jahre 1902/S 991 Juden zurückgewiesen worden, darunter 254 wegen ansteckender Krankheiten, 713 als Paupers, Mittellose, denen die zur Landung nötigen zehn Dollars fehlten. Das amerikanische Gesetz vom 3. März 1903 schliesst nämlich u. a. von der Landung aus: Geisteskranke, mit ansteckenden Krankheiten behaftete Personen, Prostituierte, Anarchisten; ferner Personen, deren Schiffskarten von wohltätigen Personen oder Anstalten bezahlt worden sind, oder die nicht mindestens zehn Dollar vorweisen können. Man mag über die Lösung der Judenfrage denken, wie man will, die Betrachtung dieser Proletarier wird gezeigt haben, dass